Folge 07 - Das macht die Berliner Luft
Shownotes
⚠️ Spoiler: Der Ort dieser Folge ist…
… Beelitz-Heilstätten. Literatur • Dr. Andreas Jüttemann, Irene Krause und Andreas Böttger: Beelitz-Heilstätten – Vom Sanatorium zum Ausflugsziel (5. Aufl. 2022) Links zur Folge • Besucherinformationen • Geführte Touren • Auf dem Gelände wohnen Cover Art: Boh Design Kopfkino-Sprecher: Piet Gampert **Schnitt: **Alperen Aras
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00:00:04: Herzlich willkommen bei Hier und Ort, wo Geschichte zu Hause ist.
00:00:08: Ich bin Nele...
00:00:09: ...ich bin Marcel!
00:00:10: Und in diesem Podcast nehmen wir euch mit an Orte die mehr erzählen als man denken würde.
00:00:15: Diese Woche sind wir an einem Ort der einmal Leben retten sollte und dann zu einem Lost Place wurde.
00:00:21: Doch bevor es jetzt gleich mit der heutigen Folge losgeht kommt erst einmal zur Einstimmung das Kopfkino.
00:00:35: andere leer wie Augenhöhen.
00:00:38: Der Wind zieht durch die Flure und trägt einen Geruch von feuchtem Mauerwerk, Laub- und Rost mit sich.
00:00:44: Drinnen liegen abgeplatzte Karren auf dem Boden.
00:00:47: Ein altes Bettgestell steht schief in einem Raum darüber eine Operationslampe festgerostet in der letzten Position was ich heute nur noch erahnen lässt wenn man näher hin sieht.
00:00:57: dieser Ort wurde mal gebaut um Menschen zu heilen.
00:01:01: Was das mit Berliner Luft, Hitler und Honika zu tun hat, erzählen wir euch in der heutigen Folge.
00:01:19: Belizeilstätten hat begonnen als ein Lungsanatorium und hatte eine wechselhafte Geschichte.
00:01:27: Wir beginnen jetzt erstmal mit den Gründen, warum Belizeistätten eigentlich eingerichtet worden ist Und dafür müssen wir uns die Zustände in Berlin genauer anschauen.
00:01:38: Das fing dann schon an Ende des neunzehnten Jahrhunderts für die Arbeiter in Berlin.
00:01:43: Die Stadt ist ja explodiert.
00:01:45: Berlin ist ja eine Großstadt, die erst sehr spät wirklich gewachsen ist.
00:01:51: Jetzt nochmal im Unterschied zu anderen bedeutenden Städten vielleicht wie Paris oder London.
00:01:55: und es gab einen enormen Bevölkerungsschub im neunzehnten Jahrhundert weil Berlin eben auch anders als heute ein industrielles Zentrum gewesen ist.
00:02:05: das heißt unglaublich viele Menschen sind vom Land nach Berlin gekommen.
00:02:09: wir müssen uns vorstellen dass war auch ganz anders als Heute.
00:02:13: Die Bevölkerung in Deutschland enorm gewachsen, hat sich innerhalb von ganz wenigen Jahren um viele Millionen Menschen erhöht.
00:02:20: Und all diese Menschen mussten irgendwo wohnen, mussten arbeiten, musten leben und dadurch war der Raum in Berlin sehr, sehr
00:02:27: beengt.".
00:02:28: Da hat man dann diese sogenannten Mietskaserne hochgezogen.
00:02:32: von denen gibt es ja trotz der Kriegsschäden immer noch so ein bisschen über Bleibsel in Berlin mit diesen engen Würfen, in die kaum Licht reinkommt.
00:02:42: Ja aber ich glaube wir haben heute keine realistische Vorstellung davon mehr wie... hängen das wirklich gewesen ist.
00:02:48: Also es gibt, also wer Berlin kennt natürlich diese klassischen Gründerzeitbauten auch die Mieskaserren, die dann am Ende des neunzehnten Jahrhunderts oder Anfang des zwanzigsten Jahrhunders noch im Kaiserreich entstanden sind.
00:02:59: Das sind die meistens prächtige gestalteten Vorderhäuser mit schönen Fassaden zur Straße hin und dahinter dann eben in den Hinterhäusern oder den Seitenflügeln dann die kleineren Wohnungen, die da eben unter anderem für die Arbeiter gedacht waren.
00:03:15: aber heute Wenn man das sieht, ist es ja oft dann eben ein Hinterhof.
00:03:20: Ein Hinterhaus und damals waren das ganz viele verschiedene Hinterhöfe und Hinterhäuser die da ganz dicht gedrängt hintereinander gebaut wurden.
00:03:29: Und der viel auch während des Tages oft in die unteren Wohnungen überhaupt kein Licht oder kaum Licht.
00:03:35: Genau!
00:03:35: Vielleicht haben einige von euch schon diese Serie Babylon Berlin sich angeschaut und wie Charlotte Ritter da wohnt ich?
00:03:42: Ich glaube, das ist eine ganz gute Darstellung.
00:03:45: Dass man sich so ein bisschen so'n Bild machen kann was es auch gab Das wäre für uns heute alle unvorstellbar dass man sich einen Bett geteilt hat Auch mit Personen die man nicht kannte also nicht gleichzeitig sondern im Schichtsystem.
00:04:00: Also wer nachts arbeiten musste konnte dann tagsüber in dem Bett einer Person schlafen Die tagsüber erarbeiten musste beispielsweise
00:04:10: Genau und man kann sich vorstellen Krankheiten, Tür und Tor geöffnet hat.
00:04:15: Also dass die hygienischen Bedingungen sehr schlecht gewesen sind.
00:04:18: also diese Wohnungen waren dann waren halt feucht sie war nicht gut durchlüftet es gab kaum Sonnenlicht.
00:04:24: und wenn so viele unterschiedliche Menschen die irgendwo arbeiten oft ja auch körperlich unter schwierigen Bedingung dann noch in einem Bett schlafen da wurde natürlich auch nicht ständig gewaschen und gewechselt Die Leute hatten keine Waschmaschine das wäre alles gar nicht gegangen.
00:04:39: Natürlich muss man auch nochmal bedenken ja auch nicht ernährt, wie wir heute.
00:04:44: Die haben sehr, sehr schwer gearbeitet und natürlich auch unter so schlimmen Bedingungen gewohnt weil sie das nicht anders konnten.
00:04:50: Und oft waren die auch noch unterernährt oder krank sind auch krank zur Arbeit gegangen usw.
00:04:55: Das war ein idealer Nährboden für die Verbreitung von Infektionen.
00:04:59: Eine Krankheit sticht da natürlich ganz besonders raus.
00:05:02: Die Tuberkulose oder auch Schwimtsucht, die spielt ja schon Jahrhunderte vorher eine Rolle.
00:05:08: Da drehen sich Jaupen auch drum schon im achtzehnten und neunzehntem Jahrhundert.
00:05:13: Es ist relativ tückisch weil es ist eine bakterielle Infektion bei der sich das langsam über Wochen und Monate immer weiter steigert.
00:05:22: Das beginnt mit so einem Husten unwohl sein und wird dann eben immer schlimmer bis man dann keine funktionierende Lunge.
00:05:29: Die Tuberkulose ist eine sehr alte Krankheit.
00:05:31: Es gibt auch aus dem Alter-Tum Berichte über Krankheiten, die sehr danach klingen als ob es sich damals eben auch schon um eine Tuberkkulose gehandelt hat.
00:05:40: und man weiß eben du hast das eben ja auch schon gesagt von Prominenten, die eben vor der Industrialisierung an Tuberculosis gestorben sind.
00:05:47: Friedrich Schiller würde einem einfallen aber das nimmt dann Ende des neunzehnt Jahrhunderts enorm zu also die Zahl der Menschen, aus den vorhin genannten Gründen, dass eben viel mehr als früher unzählige Menschen auf engstem Raum und der unhygienischen Bedingungen zusammenleben.
00:06:07: Was aber natürlich nicht heißt, dass die Tuberkulose – wenn auch nicht in unseren Breiten gerade, sondern bei anderen Ländern heute noch eine sehr verbreitete und auch sehr tödliche Krankheit ist?
00:06:18: Genau!
00:06:18: Ohne Antibiotika verläuft ihr auch heute noch tödlich.
00:06:21: Aber damals gab es eigentlich überhaupt keine besonders wirksame Kur dagegen, da ist man dann auf einen Gedanken verfallen.
00:06:31: Weil schon diese Zusammenhänge waren schon klar das die Stadt, die Enge der Ruß in der Luft, die Luftverschmutzung, die schlechte Belüftung dass es alles dazu beiträgt dass sich Menschen infizieren und dass sie scharenweise sterben.
00:06:48: Da lag es dann nahe nach einem Gegenmodell zu suchen nämlich nach Landluft nach frischer, klarer nicht verpesteter Luft.
00:06:58: Die dazu beitragen sollte die Lunge... vielleicht war die Hoffnung, die Longe zu reinigen aber zumindest irgendwie zu stabilisieren?
00:07:06: Vielleicht noch mal um das besser zu verstehen müssen wir uns klar machen.
00:07:09: Tuberkulose ist zwar eine sehr schlimme und unbehandelt auch tödliche Krankheit Aber es ist jetzt auch nicht eine Krankheit wie die bei der man davon ausgehen kann, dass jeder mit den Erregern in Berührung kommt tatsächlich eine Tuberkulose bekommt und an ihr stirbt.
00:07:26: Also es ist so, dass die meisten Menschen natürliche Abwehrkräfte besitzen, die die Tuberkolose auch abwehren oder das die Tubergolose nicht wirklich ausbricht.
00:07:35: Aber es gibt eben auch Menschen, bei denen sie ausbrixen und je geschwächter ein Immunsystem ist, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass diese Krankheit ausbrischt.
00:07:44: Und da wir von diesen schwierigen Bedingungen gesprochen haben Menschen, die eben unter sehr schwierigen Bedingungen gewohnt haben.
00:07:49: Die generell eben krank unterernährt überlastet waren und so weiter.
00:07:54: Da war eben die Möglichkeit dass sie diese Krankheit bekamen, die Gefahr größer und deshalb dann eben die Idee Heilstätten außerhalb der Stadt zu schaffen in denen sich die Menschen eben regenerieren können indem Sie ihre Abwehrkräfte wieder besser aufbauen können.
00:08:08: da wurden dann sogenannte Lungen sanatorien eingerichtet.
00:08:12: Ein ganz berühmtes Beispiel für so ein Lungen Sanatorium ist ja auf dem Zauberberg in dem Roman von Thomas Mann, ganz so dürfen wir uns Bele Zeilstätten nicht vorstellen.
00:08:21: Der Zauberger Berg ist ja ein sehr elitärer Ort an dem Philosophen und andere elitäre Figuren zusammenkommen um da gemeinsam den Ausblick zu genießen.
00:08:32: bei den Bele zeilstättern das waren einfach Arbeiter und Arbeiterinnen im Jahr eighteen, achtundneunzig gekauft von der Landesversicherungsanstalt Berlin.
00:08:44: Die haben da so ein Waldgebiet erstanden südwestlich von Berlin.
00:08:48: Der Boden war dort sandig, der war landwirtschaftlich nicht interessant.
00:08:52: Da konnte man eben einfach was anderes errichten War aber ganz gut verkehrsgünstig gelegen.
00:08:58: Da hat man dann begonnen diesen Komplex zu errichten.
00:09:02: Was wichtig war es war kein riesiger Krankenhausbau sondern Pavillon-Bauweise bevorzugt.
00:09:08: Also viele kleine Einzelgebäude, teilweise auch gar nicht so kleine Gebäude aber einfach voneinander in einem gewissen Abstand stehen.
00:09:16: Das waren dann rund sechzig Gebäuden.
00:09:19: die wurden auch in so Quadranten unterteilt ABCD das war alles relativ strikt vonein der Getrennt.
00:09:26: also Männer und Frauen waren strikt getrennt sogar als Personal war nach Geschlechtern getrenned.
00:09:31: und natürlich die Kranken und die Gesunden wurden voneineinander getrenn die mit den nicht ansteckenden Krankheiten, von denen mit den ansteckenen Krankheiten.
00:09:41: logischerweise.
00:09:42: Es gab Lungenheilstätten für Männer, es gab Logenheil- städten für Frauen.
00:09:47: Es gabe ein Chirurgiegebäude da wurden natürlich auch Operationen durchgeführt.
00:09:51: Dieses Chirurgigebäude ist so ein bisschen später erst entstanden also in den neunzehnzwanziger Jahren.
00:09:57: dann gab's verschiedene Gebäude für medizinische und technische Infrastruktur aber auch für die Versorgung im Alltag Also Küchengebäuden, Wäschereien, Bäckereien Fleischereien Postampten Ärzte Wohnhaus Pferdne, Häuser.
00:10:12: Also das war alles wie so ein eigener Mikrokosmos und man kann daran schon auch sehen es war jetzt nicht wo nur fünfzig Leute untergebracht waren also dass es überhaupt eine eigene Bäckerei gebraucht hat lag daran dass da zeitweise bis zu twelvehundert Menschen untergebracht waren
00:10:31: Genau, und es war mit Abstand die größte Lungenheilstätte in Deutschland.
00:10:35: Also andere hatten vielleicht so zweihundert Betten oder ähnliches, zwölfhundert Starter enorm heraus.
00:10:41: Und es war jetzt auch eben gerade ja nicht so, dass die Patientinnen und Patienten da auf engem Raum zusammengepfercht werden sollten, sondern das sie da eben entsprechenden Raum- und Ruhe hatten.
00:10:51: Da waren spezielle Parkanlagen, die dazugehörten, die ja auch jetzt nicht dekorativ fahren, sondern die ja tatsächlich den Zweck hatten, die Heilung zu befördern.
00:11:01: Und deshalb brauchte das Ganze eben auch ein entsprechendes Personal, brauchte eine riesige Infrastruktur und auch enorme Ressourcen.
00:11:09: Also Belitz-Heilstätten hatten ein eigenes Kraftwerk – einen Heizkraftwerk, dass damals Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts schon mit Kraftwärmekopplung betrieben wurde, also in dieser Hinsicht wahnsinnig modern war.
00:11:22: Genau!
00:11:22: Und was als wichtigstes Heilmittel gegen die Tuberkulose angesehen wurde, war die Luft Luft, Luft und nochmals Luft.
00:11:31: Klare frische Luft also.
00:11:33: es wurden sogenannte Luftkuren durchgeführt.
00:11:36: und wenn wir uns jetzt nochmal so ein bisschen den Alltag von so einem Patienten in Beelzeilstätten vorstellen ich denke das war eigentlich relativ langweilig das ganze dort die Tage rumzukriegen.
00:11:49: man musste früh aufstehen dann Körperhygiene gebaschen, es wurde die Temperatur genommen von den Patienten und dann kamen die Liegekur.
00:11:59: Das hieß stundenlanges Liegen auch draußen vor allem an der frischen Luft – auch im Winter!
00:12:05: Dann entdecken eingepackt und man lag dort.
00:12:08: Und es war im Grunde Pflicht ruhig zu bleiben.
00:12:13: Man sollte nicht reden, auch nicht lesen, möglichst auch nicht so viel denken weil das galt alles als abträglich für den Neilungserfolg und das waren dann sicherlich auch Tage die sich durchaus mal in die Länge ziehen konnten.
00:12:26: für die Patienten.
00:12:27: Ja, also es klingt wahnsinnig langweilig.
00:12:29: Aber wir dürfen das natürlich auch nicht nur oder in erster Linie aus unserer heutigen Sicht betrachten, weil die Menschen, die dort eingeliefert wurden, waren ja erstens krank und zweitens hatten sie auch ganz andere Lebenserfahrungen als wir.
00:12:42: Also die wurden ja nicht aus seinem Leben herausgerissen, indem Sie viele Freizeitaktivitäten pflegen konnten oder ähnliches, sondern das waren ja Menschen wie wir eben Eingangsjahr schon gehört hatten, die unter schrecklichen Bedingungen gewohnt haben im Grunde jede freie Minute ihres Tages, die sie nicht geschlafen haben oder die sie vielleicht irgendwelche Haushaltstätigkeiten machen mussten.
00:13:04: Oder sich um Kinder kümmern mussten oder ähnliches tatsächlich sehr schwere körperliche Arbeit leisten mussten und dabei auch sehr schlecht ernährt wurden.
00:13:12: Und dass die jetzt vielleicht ein bisschen gelangweilt haben, dass sie da draußen gut eingepackt oder auch in warmem Wetter in der Sonne liegen durften und dabei das muss man ja auch sagen wahrscheinlich so gut Ernährt wurden wie nie zuvor in ihrem Leben.
00:13:27: war wahrscheinlich nicht so schrecklich, sondern war für die Betroffenen dann doch oft sehr heilsam und hilfreich.
00:13:33: Genau!
00:13:33: Und nochmal zum Thema Essen.
00:13:35: Wir haben dort regelmäßige Mahlzeiten bekommen.
00:13:37: Das war auch schon in ihrem normalen Leben keine Selbstverständlichkeit.
00:13:41: Die haben Fleisch bekommen – Milch, Kartoffeln also alles Sachen, die nicht unbedingt immer für sie verfügbar waren.
00:13:49: gerade das Fleisch war sicher eine Seltenheit für die meisten.
00:13:54: Diese Kombination auf sich ausruhen, frischer Luft und ganz gute Ernährung hat zumindest dafür gesorgt dass einige der Patienten und Patientinnen auch dann wieder zurückkehren konnten.
00:14:09: Und auch wieder arbeiten konnten.
00:14:11: also es war lebensverlängernd und stabilisierend.
00:14:14: ja
00:14:15: die tuberkulose konnte nicht geheilt werden und ich bin mir jetzt auch nicht sicher wie hilfreich tatsächlich dann diese luftkuren immer gewesen sind Weil das auch ein interessanter Faktor noch mal gewesen ist, also es war nicht nur so dass die Patientinnen und Patienten an der frischen Luft lagen sondern dass sie eben teilweise auch in den Räumen in denen sie lagen untergebracht waren spezielle Luftschächte hatten wo dann stündlich die luft gewechselt wurde.
00:14:43: Und dann frische Waldluft die gefiltert befeuchtet erwärmt war ihnen zu geleitet wurde.
00:14:49: Da hat man sich schon sehr, sehr viele Gedanken gemacht wie das umzusetzen ist und generell war es sicherlich so dass die Abwehrkräfte dieser Menschen gestärkt wurden weil sie vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben unter einigermaßen ja lebenswerten oder nicht lebensfeindlichen Bedingungen tatsächlich gewohnt und gelebt haben.
00:15:09: Dann kommt der Erste Weltkrieg und das Lungen Sanatorium wird in ein Lazarett umgewandelt.
00:15:16: Kriegsversehrte sollen sich dort erholen, unter denen ist auch eine besondere historische Figur.
00:15:22: Ja tatsächlich war Adolf Hitler.
00:15:26: Patient in diesem Lazarett, zu dem Zeitpunkt eben keine Lungenheilstätte sondern ein ganz normales Militär-Lazarett.
00:15:33: Hitler war ja Meldegänger im Ersten Weltkrieg also hat Informationen zwischen verschiedenen Truppenteilen hin und her gebracht und er wurde in der Schlacht an der Somm verletzt durch einen Granatsplitter und ist tatsächlich fast zwei Monate in Belitz geblieben.
00:15:50: und zu diesem Zeitpunkt war er natürlich unbekannt und bedeutungslos aber nicht ganz Uninteressant sozusagen für die weitere Entwicklung war, dass Hitler von dieser Rückkehr desillisoniert war.
00:16:02: Weil er zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder in Deutschland war.
00:16:04: Er war ja ein sehr begeisterter Kriegsfreiwilliger und aus seiner Sicht mit Insetzen gesehen hat das viele seiner Kameraden, die auch dort lagen überhaupt nicht mehr begeistert vom Krieg waren und sich teilweise damit gebrüstet haben wie sie mit Verletzungen, die Sie sich selbst zugefügt hatten es geschafft hatten sich dem Kriegsdienst zu entziehen, das war für ihn undenkbar.
00:16:25: In der Zwischenkriegszeit in der Weimarer Republik wurde Beelitz-Heilstätten noch einmal deutlich ausgebaut.
00:16:31: Da sind zahlreiche weitere Gebäude entstanden und auch die Bettenkapazität dieser eingangs erwähnten twelvehundert Betten werden dann in den zwanziger Jahren erreicht.
00:16:40: Also in den Zwanzigerjahren hat die Landesversicherungsanstalt die Heilstätte nochmal ja deutlich erweitert.
00:16:47: Die Belitz-Heilstätten sind am Ende des Krieges stark umkämpft.
00:16:51: Da haben sich Wehrmachtstruppen verschanzt da drin und die rote Armee muss Belitz Heilstätte zweimal erobern, dabei werden Anlagen zum Teil auch stark zerstört.
00:16:59: Und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt die Rote Armee tatsächlich auch da und nutzt diese große Anlage für die Zeit der DDR bis nineteen vierneinzig, aber eben nicht mehr als Lungenheilstätte für die Bevölkerung sondern als Militärhospital für die sogenannte Gruppe der sowjetischen, die Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte also das heißt die sowjetische Truppen, die in der DDR stationiert waren.
00:17:24: Für einige Monate Oder beinahe ein Jahr, von oneinzenneunzig bis neunzehnteinundneinzig ist nochmal ein prominenter Patient dort vor Ort.
00:17:34: Das ist Erich Honecker.
00:17:35: Ja also zum Thema deutsche Diktatoren haben wir da noch einen Beispiel.
00:17:41: genau erich honnecker war zu diesem Zeitpunkt ja bereits abgesetzt worden.
00:17:45: im drohte die Strafverfolgung in widervereinigten deutschland
00:17:50: Und er hatte zu dem Zeitpunkt schon Leberkrebs.
00:17:53: Genau, er war sehr schwer krank.
00:17:54: Er war ja auch schon sehr alt und krank, er hatte Lebergrebs.
00:17:57: Er befand sich aber dann in der Obhut des Sofiertruppen.
00:18:01: Er wurde tatsächlich auch im Militär-Hospital in Belitz behandelt und anschließend nach Moskau ausgeflogen.
00:18:12: Und für Jahre verfällt Bele Zeilstätten dann in so ein Dornröschenschlaf, kann man sagen.
00:18:19: In diesem Zeitraum wird dann Bele zeilsteppen zu einem Lost Place also auch einen kultigen Ort.
00:18:26: es gibt dann ja so'n ganzen Kult rund um Orte, die verfallen sind.
00:18:31: Da ziehen Fotografen, um hier machen tolle Aufnahmen von solchen Orten.
00:18:36: Das hat ja auch so einen morbiden Charme und ich habe auch Fotos aus Beelzeilstätten aus dieser Zeit gesehen.
00:18:42: Die sind auch wirklich sehr beeindruckend.
00:18:44: also es stehen noch immer zum Beispiel solche Eisengestelle von diesen Betten draußen und sind aber von Gras überwuchert.
00:18:54: Und alles ist so ineinander verschlungen, die Natur und die Gebäude es ist alles verfallen.
00:18:59: man sieht auf diesen Krankenhausfluren da stehen noch die Betten in denen die Patienten lagen teilweise sogar noch in ansätzen nicht chirurgisches Equipment oder in den Operationssälen gewisse Ausstattungsmerkmale.
00:19:16: das hat natürlich alles zusammen so ein ganz bestimmten Zauber in der Atmosphäre.
00:19:22: Es ist auch ein bisschen gruselig, ein bisschen morbide aber es sorgt dafür dass Bele Zeilstätten immer wieder besucht wird von Menschen die dort eigentlich keinen Zutritt haben.
00:19:35: Aber es ist in dieser Zeit leicht zugänglich und es gehen alle möglichen Leute dort vorbei weil's einfach auch eine ganz besondere Atmosfiere hat.
00:19:44: Ja, und es ist ja im Grunde verrückt was da passiert ist.
00:19:47: Weil wenn man sich genau das was du eben geschildert hast anguckt dann sieht es ja aus wie eine Momentaufnahme also quasi ein Ort in dem plötzlich Kriegsauswirkungen gegeben hat oder ein furchtbare Katastrophe passiert ist so ein bisschen wie man sich das vielleicht vorstellt in Pompeii.
00:20:02: Da gab's den Vulkanausbruch und man sieht dann irgendwie die Menschen noch die gerade irgendwas getan haben Und da sieht man noch die Operationsinstrumente oder Betten und ähnliches und man denkt Das is von einem Tag auch den anderen passiert.
00:20:14: Aber in Wirklichkeit stimmt es ja alles gar nicht, also das war ja bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts oder fast bis zu dem Ende des Zwanzigste Jahrhunderte waren das ja ganz normale Einrichtungen.
00:20:25: Das war einfach ein großes Krankenhaus.
00:20:28: Das waren ganz normale gepflegte Gelände und dann sind all diese Versuche einer neuen Nutzung gescheitert aus welchen Gründen auch immer.
00:20:36: In defekt sehr kurzer Zeit sind die ganzen Gebäude dieses ganze Gelände derart verfallen, dass es eben jetzt aussieht als wäre das irgendwie aufgrund eines Unglücks so heruntergekommen.
00:20:49: Aber dadurch ist dann natürlich auch diese eigenartige Entwicklung aufgetreten, dass sich daraus die Begeisterung für diesen Lost Place entwickelt hatte und es plötzlich zu einem Fotomotiv wurde.
00:21:00: aber nicht nur ein Fotomotive.
00:21:02: also es waren durchaus sehr prominente Nutzungen, die da stattgefunden haben.
00:21:07: Ja, tatsächlich wurden dort Filme gedreht und der Anderm der Pianist von Roman Polanski.
00:21:13: Und auch Operation Valkyrie mit Tom Cruise.
00:21:17: Es gab auch Bands die da Musikvideos gedrehen haben.
00:21:20: Ja also Ramstein hat da glaube ich auch ein Musikvideo gedrehte und es ist eben vielfältig für alle möglichen Medienproduktionen genutzt worden.
00:21:29: Genau aber was auch noch passiert ist das sollte man vielleicht nicht ganz unter den Tisch fallen lassen tragische Fälle auch ereignet in und um das Gelände.
00:21:39: Da gab es einen Doppelmord, in den frühen Neunzigern da gab's später nochmal ein Mord nach einem Fotoshooting.
00:21:47: Das hat natürlich alles dazu beigetragen dass das Geländen so einen Ruf bekommen hatte als Schauriger, Gruseliger auf dem irgendwie vielleicht so ein Fluch lastet auch oder sowas.
00:22:01: Und dem allen wollte man dann irgendwann mal begegnen von offizieller Seite, man wollte nicht mehr länger diese Lost Place Romantik da einfach nur frei geschehen lassen und deswegen hat man dann geschaut wie man das Gelände irgendwie nutzbar machen kann oder auf eine Weise zugänglich machen kann dass niemand zu schaden kommt.
00:22:23: Genau
00:22:23: es gab schon früher Nutzungspläne dafür also nicht nur die, die sich darum gedreht haben wie man die Gebäude saniert oder neu nutzt sondern auch diese ganze Lost Place Romantik zum Teil aufgegriffen haben.
00:22:35: Also es gibt ja seit längerer Zeit da ein Baumkronenfahrt der eben auf Höhe der Baumwipfel entlang führt den man nutzen kann von dem aus man auch hin unterschauen kann auf diese Ruinen beispielsweise.
00:22:49: mittlerweile gibts aber auch ganz konkrete Pläne dieses Gelände jetzt wirklich auch wieder als Wohn- und Lebensort nutzbar zu machen.
00:22:59: Und diese Phase des Lost Places zu überwinden?
00:23:02: Genau, ich denke im Grunde ist die auch schon vorbei.
00:23:05: Heutzutage kann man durch diesen Baumkronenpfad einen Blick von oben auf das Gelände werfen.
00:23:11: Das sieht immer noch beeindruckend aus!
00:23:12: Diese Gebäude da inmitten der Natur – es ist ja eine sehr schöne Architektur Und man kann auch an Touren teilnehmen, an geführten Touren durch die Gebäude zum Beispiel.
00:23:24: Durch die alte Chirurgie und kann dann mit einem erfahrenen Guide mehr erfahren über die Geschichte des Gebäudes.
00:23:32: da kann man sich anmelden.
00:23:33: wir verlinken euch das dann nochmal in den Show-Nauts.
00:23:36: aber die Zeiten des wilden Lost Place Surms sind tatsächlich vorbei.
00:23:42: es gibt Pläne, die seit einigen Jahren schon umgesetzt werden.
00:23:47: Das in Beelitz Heilstädten Wohnraum entstehen soll das ist zum Teil auch schon geschehen.
00:23:53: es gibt auch Menschen, die dort auf dem Gelände bereits wohnen.
00:23:57: ich glaube die ehemalige Bäckerei und die Wäscherei sind beispielsweise zu Eigentumswohnungen gemacht worden Und seit ist es auch offiziell den Ortsteil Belitz-Heilstätten als neuen Teil des Ortes Belitz.
00:24:12: Genau, also Belitz an sich ist ja soweit ich weiß eben auch seit der Wiedervereinigung enorm gewachsen als Ort oder als Wohnort sehr viele Zugezogene und jetzt soll es eben auch darum gehen dass Belitz Heilstätte ein Ja auch ein Ortsteilen mit mehreren Tausend Einwohnern werden soll.
00:24:31: So Nele!
00:24:31: Was ist für dich am Ende der heutigen Folge die wichtigste Erkenntnis?
00:24:36: Dass es ein Ort ist, der eigentlich ja Heilung bringen sollte und das Leben erhalten und schützen sollte.
00:24:44: Und aber irgendwie zu einem Ort geworden ist er eher für Verfall steht, für Tod und dadurch auch was Gruseliges bekommen hat im Laufe der Jahre
00:24:53: Ja würde ich auch sagen also auch dieser Wechsel, also dass auf der einen Seite da Menschen Heilung finden wollten und dann ist sein Ort an dem Diktatoren waren oder der eben mit diesem Lost Place und diesen Todesfällen verknüpft war.
00:25:05: Ja Also auf jeden Fall ein sehr spannender Ort, der auch ständig im Wandel ist und sich auch noch weiter verändern wird.
00:25:13: Wenn ihr dort mal vorbeischauen wollt, packen wir euch in die Show Notes was ihr wissen müsst.
00:25:18: Ihr könnt auch Führungen buchen dort über die Webseite, schaut da einfach mal rein!
00:25:22: Wenn euch die heutige Folge gefallen hat dann freuen wir uns natürlich sehr über eine gute Bewertung wenn ihr den Podcast außerdem noch weiter empfehlt an Freunde, an Familie, an alle die ihr kennt.
00:25:34: Wir freuen uns natürlich auch über Vorschläge für weitere Orte.
00:25:38: Wenn ihr einen Ort kennt, den wir uns unbedingt mal näher anschauen sollten dann schreibt uns an halload-hierundort.de.
00:25:46: Auch wenn ihr vielleicht Fragen habt zur heutigen Folge oder euch etwas aufgefallen ist einfach mal an uns schreiben und wir freuen uns total, wenn ihr auch das nächste Mal wieder einschaltet!
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