Folge 4 - Mein lieber Herr Gesangsverein

Shownotes

⚠️ Spoiler: Der Ort dieser Folge ist… …die Alexandrowka in Potsdam. Literatur • Bettina Altendorf: Die russischen Sänger des Königs und die Kolonie Alexandrowka in Potsdam: Das Denkmal der Freundschaft zwischen Friedrich Wilhelm III. und Zar Alexander I. von Russland (2. Aufl., 2008) Links zur Folge • Besucherinformationen (Museum und Café) • Restaurant in der Alexandrowka • UNESCO-Welterbe • Alexander-Newski-Kirche Cover Art: Boh Design Kopfkino-Sprecher: Piet Gampert

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00:00:02: Herzlich willkommen bei Hier und Ort, wo Geschichte zu Hause ist.

00:00:06: Ich bin Nele.

00:00:08: Und in diesem Podcast nehmen wir euch mit an Orte die mehr erzählen als man denken würde!

00:00:13: Diese Woche sind wir an einem Ort der aussieht wie eine Landedülle aber eigentlich ein politisches Symbol ist.

00:00:21: Doch bevor es jetzt gleich mit der heutigen Folge losgeht kommt erst einmal zur Einstimmung das Kopfkino.

00:00:28: Direkt hinter den Straßenbahnschienen beginnt ein kleines Stück Dorfidülle.

00:00:33: Am Rand einer deutschen Großstadt liegt eine große Wiese.

00:00:36: Im Frühling blühen hier die Apfelbäume, im Herbst hängen sie voller roter Früchte.

00:00:40: Schnur gerade Wege führen quer über das Gras!

00:00:43: Am Rand stehen Häuser mit dunklen runden Holzbeigen.

00:00:46: Sie sehen aus wie eine Mischung aus kanadischer Blockhütte und schwalzer Chalet verziert mit hübschen Schnitze

00:00:51: rein.

00:00:52: Hölzer der Fenster leden weiße Gardinen und Blumenkübe runden die Landidüle ab Was man bei einem Spaziergang über die Wiese leicht vergisst, diese kleine Siedlung ist nicht von selbst gewachsen.

00:01:04: Sie wurde vor ziemlich genau zweihundert Jahren hier platziert!

00:01:07: Was das mit einem Geschenk aus Russland zu tun hat erfahrt ihr in der heutigen

00:01:12: Folge.

00:01:14: Okay Marcel, wir haben es schon gehört.

00:01:16: Wir sind bei einer deutschen Großstadt in der Nähe.

00:01:18: Es sieht relativ ländlich aus und das Ganze hat was mit Russland zu tun.

00:01:23: Ich sage jetzt einfach mal an welchem Ort wir uns befinden.

00:01:26: Und zwar ist das die Kolonie Aleksandrovka, die liegt nördlich von Potsdamen, der Hauptstadt Brandenburgs.

00:01:33: Ganz genau!

00:01:34: Die AleksAndrovka sieht aus... Kleines russisches Dorf und das liegt am Rande von Potsdam.

00:01:42: Und jetzt fragen wir uns natürlich, wie ist das denn dahin gekommen?

00:01:45: Und warum wurde das denn dort platziert?

00:01:47: Um das zu verstehen müssen wir ein bisschen in die Geschichte eintauchen und zwar zweihundert Jahre... zurückgehen zu den napoleonischen Kriegen.

00:01:57: Das war die Zeit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts und Napoleon hat, man weiß es vielleicht versucht für Frankreich die Hegemonie in Europa zu erregen.

00:02:06: also er wollte Frankreich zu der vorherrschenden Macht in Europa machen.

00:02:11: und in diesem Zusammenhang sind zahlreiche Kriege geführt worden.

00:02:15: und diese Kriege verliefen anfangs für Frank Reich sehr erfolgreich und Frankreich ist das beispielsweise gelungen andere europäische Mächte nachhaltig zu schlagen unter anderem Preußen, achtzehn oder sechs bei Jena und Auerstedt.

00:02:29: Und für Preußen war das einschneidend weil Preussen einerseits viele Gebiete abtreten musste und dass es für unseren Zusammenhang eigentlich noch viel entscheidender ein Bündnis mit Frankreich eingehen musste.

00:02:46: Und nach dieser Niederlage Preußens waren die napoleonischen Kriege auch nicht beendet, es kam zu weiteren Konflikten mit anderen Großmächten und in diesem Zusammenhang hat sich Napoleon, eighteenhundertzwölf entschlossen Russland anzugreifen weil sich Russland seinen politischen Vorgaben nicht beugen wollte.

00:03:04: Und da muss man sagen an der Stelle dieses Bündnisses das Preußen ja gar nicht eingehen wollte.

00:03:09: eigentlich hat aber Preußen dann in der Situation gezwungen Russland mitanzugreifen

00:03:14: Ganz genau.

00:03:15: Napoleon hat damals eine riesige Armee, also es wird auch so genannt die Grande Armée aufgestellt, die umfasste ungefähr eine halbe Million Soldaten für damalige Verhältnisse eine schier unglaubliche Zahl.

00:03:26: und das waren nicht nur Franzosen sondern das waren auch sehr viele angehörige anderer Nationen vieler deutscher Staaten.

00:03:33: Deutschland als Staat gab es ja noch gar nicht.

00:03:35: es gab Preußen Österreich viele kleine Staaten und da waren auch nicht wenige preußische Soldaten dabei die bei diesem Feldzug mitmachen mussten.

00:03:43: Und dieser Feldzug begonnen in den Felsen, starrte sehr erfolgreich.

00:03:49: also die französischen Truppen sind schnell tief nach Russland vorgerückt sie haben sogar Moskau erobert und in diesem Zusammenhang haben die preußischen Bündnis-Truppen in Russland russische Soldaten gefangen genommen.

00:04:02: Und da sind wir jetzt an dem Punkt, der für unsere kleine Geschichte besonders interessant ist.

00:04:08: Denn unter diesen Soldaten die da gefangen genommen wurden waren Männer, die sehr melancholisch gesungen haben und das viel einen preußischen Befehlshaber im General Ludwig Jörg von Wartenburg auf und er dachte sich, dass könnte seinem König Friedrich Wilhelm III.

00:04:26: dem Preußischen König gefallen oder hatte einige von diesen Männern nach Preußen geschickt, damit die für den preußischen König singen.

00:04:34: Genau!

00:04:34: Also vielleicht kann man an der Stelle noch mal erwähnen.

00:04:36: Friedrich Wilhelm

00:04:37: III.,

00:04:37: der präußische König hatte zu diesem Zeitpunkt auch allen Grundmelancholisch zu sein.

00:04:43: Achzenhundertzehn also ungefähr zwei Jahre vorher war seine geliebte Frau gestorben.

00:04:48: Das ist die Prinzessin Louise von Preußen.

00:04:51: Die ist mit nur dreißig gestorbt und das hat alle in eine Staatstraue gestürzt Und die beiden waren sich sehr zugetan.

00:05:01: Das hat ihn dann als trauernden Witwer zurückgelassen, vielleicht war er da in einer besonders melancholischen Stimmung und hatte auch was übrig für Russland.

00:05:11: Eigentlich war er ja befreundet mit dem Zahren Alexander I., die waren eigentlich schon persönlich befreündet.

00:05:18: Als Alexander I. in den USA nach Berlin kam, wurde der Alexanderplatz nach ihm benannt?

00:05:25: Ja also daran sieht man das ... für den preußischen König denkenswert unangenehm gewesen ist, also neben diesen persönlichen Schwierigkeiten die er hatte war eben der König unter dessen Herrschaft Preußen massiv geschlagen worden war.

00:05:38: Gebietsverluste hatte ein Bündnis mit diesem revolutionären napoleonischen Frankreich schließen musste das er gar nicht wollte und einen Krieg führen musste gegen Russland den er nicht führen wollte und dessen Herche er sich eigentlich sehr verbunden gefühlt hat.

00:05:52: Vielleicht hören wir einfach mal ganz kurz rein in einem dieser melancholischen Männerkörige etwas rausgesucht.

00:05:57: Das ist auch so aus dem Jahrhundert.

00:05:59: Genau, dann spielen wir mal ein kleines Stück davon ein wie so einen Chor geklungen hat.

00:06:19: Ja ich glaube jetzt haben wir ein bisschen so einen Eindruck bekommen Die klingen schon sehr wehmütig.

00:06:26: Man versteht jetzt nicht unbedingt, was sie sagen aber man spürt instinktiv dass da eine tiefe Trauer drin liegt.

00:06:33: und das hat anscheinend König Friedrich Wilhelm III dann besonders angesprochen in dem Moment weil er diesen Chor haben wollte bei sich in Preußen

00:06:42: Genau!

00:06:42: Und es wäre vielleicht auch nur so eine Episode geblieben Aber die Geschichte nahm noch eine ganz andere.

00:06:50: Also tatsächlich ist dieser Russland-Feldzug von Napoleon dann ja gescheitert?

00:06:55: Tatsächlich ja, anfangs ist er erfolgreich verlaufen.

00:06:58: Also die französischen Truppen und ihre Verbündeten sind tief nach Russland eingedrungen aber Russland wurde nicht besiegt.

00:07:05: also die russischen truppen haben auch zeitweise sich sehr zurückgezogen haben guerrierkrieg geführt Und dann hat der russische winter eingesetzt und genauso wie die truppe des nationalsozialistischen deutschlands Hundertfünfzig Jahre später waren auch die fransösischen trappen napoleon sind ihre verbündeten auf diesen winter überhaupt nicht ausgelegt.

00:07:23: also da sind wirklich hunderte Tausende Menschen gestorben an Kälte, an Erfrierungen.

00:07:28: Viel mehr als solche die tatsächlich dann auch noch im Krieg umgekommen sind was in dieser Zeit aber oftmals der Fall gewesen ist.

00:07:35: und dann hat sich das Kriegsglück sehr stark gewendet.

00:07:38: Das

00:07:38: war der Anfang vom Ende Napoleons kann man sagen?

00:07:41: Ja!

00:07:41: Aber das war gar nicht so zwangsläufig.

00:07:43: Das Ganze war so dass Napoleon versucht hatte nach Frankreich zurückzukehren neue Truppen aufzustellen und erneut anzugreifen.

00:07:51: und das war der Moment als Preußen tatsächlich die Seiten gewechselt hat.

00:07:55: Und das Interessante daran ist, dass es überhaupt nicht die Entscheidung des Königs Friedrich Wilhelm III eigentlich gewesen ist diesen Wechsel herbeizuführen, obwohl er sich dem russischen Zaar verbunden fühlte, sondern es im Grunde die eigenmächtige Entscheidung eines bräusischen Generals, dem eben erwähnten Ludwig Jörg von Wartenburg gewesen ist der aus eigener Entscheidung heraus mit einem russischem General einen Waffenstillstand geschlossen hat – die sogenannte Konvention von Tauroggen.

00:08:21: Im Grunde war das hoch verratete der zum Tode verurteilt werden können.

00:08:24: Aber der preußische König hat schnell erkannt, dass diese Entscheidung viel fühl sich hatte weil die französischen Verluste enorm waren und jetzt die Chance bestand die Seiten zu wechseln.

00:08:33: und das haben Preußen und Österreich auch getan.

00:08:36: und daraufhin haben dann Preußen, Österreich und Russland gemeinsam gegen Frankreich gekämpft und dann diese napoleonischen Kriege letztendlich auch gewonnen.

00:08:44: Und wenn wir jetzt nochmal zu dem melancholischen Männerkord zurückkehren?

00:08:47: Die waren ja vorher vom Status her Kriegsgefangenen und werden dann danach offiziell Teil der Leibkompanie des Königs.

00:08:57: Sie wären in die Preußische Armee tatsächlich dann auch integriert, kämpfen da zum Teil mit.

00:09:02: Und im Anschluss daran, man würde jetzt vielleicht erwarten, kehren sie... als frei gelassene oder neue Verbündete nach Russland zurück.

00:09:09: Das ist aber nicht so, sieht man auch was für eine Zeit das vielleicht ist?

00:09:12: Es ist so dass nach der Versöhnung des russischen Zahn mit dem preußischen König der russische Zahl diese Menschen den preußischem König ja man kann sagen schenkt also er überlässt die ihm.

00:09:23: und diese Menschen, das sind ungefähr sechzig.

00:09:25: Die bleiben dann in Preußen?

00:09:27: Ja genau!

00:09:28: Unter anderem eben auch in Potsdam.

00:09:29: Manche leben dann zu dieser Zeit in Kasernen.

00:09:33: Andere leben auch bei Bürgern in Portsdam.

00:09:37: Es gibt dann so Anekdotisch dass sie auch Handelbetrieben haben.

00:09:40: eine hatte wohl ein Billardcafé betrieben also die sind erst mal Teil von Potstam und diese Kolonie kommt da nämlich eigentlich später dazu.

00:09:50: Genau und der Anlass Dafür ist der Tod des russischen Zahren Alexanders, das ersten.

00:09:56: Das hat den preußischen König auch betroffen und er wollte eine Art Erinnerung oder Denkmal für Alexander den ersten schaffen.

00:10:05: Und da kam dann diese Idee auf, eine Art russische Kolonie ein russisches Dorf am Rande von Potsdam zu errichten die Aleksandrovka eben auch als Wohnort für diese Chorsänger dieser ehemaligen russisch Soldaten.

00:10:19: Genau, also es gibt da auch so eine Gründungsurkunde in der ist die Formulierung.

00:10:23: Das soll ein bleibendes Denkmal der innigen Freundschaft sein.

00:10:26: Das muss man sich noch mal klarmachen.

00:10:28: Friedrich Wilhelm III und Alexander I., der Zahr waren eng befreundet.

00:10:33: Die waren im ähnlichen Alter.

00:10:34: Alexander I. ist überraschend gestorben mit nur Ende vierzig am sogenannten Krimfieber.

00:10:41: Und das hat alle in tiefe Trauer gestürzt.

00:10:44: Da hat dann der preußische König angeordnet, dass in Berlin Oper und Theater drei Tage lang geschlossen bleiben.

00:10:51: Es gab eine verordnete Staatstrauer von drei Wochen, und in seiner Trauer hat er dann auch innerhalb von einigen Wochen diesen Plan entwickelt für die Kolonie um sich so an seinen Freund zu

00:11:04: erinnern.".

00:11:05: Genau!

00:11:05: Er hat damit Architekten zusammengearbeitet aber er hat sich da auch selbst eingebracht und eigene Ideen entwickelt wie das aussehen soll.

00:11:12: Und das ist auch ganz relevant dass man sich das ebenso vor Augen führt.

00:11:16: im Grunde ging es nie darum für diese russischen Soldaten, dieses Sänger besonders attraktive Wohnverhältnisse zu schaffen.

00:11:24: In erster Linie ist dieses Dorf eine Art politisches Symbol für die Freundschaft zwischen Preußen und Russland und vor allem eben auch für diese persönliche Freundschaft von zwei Herrschern.

00:11:34: Und

00:11:35: was man sich jetzt nochmal so klar machen muss das Wort Kolonie da denken wir natürlich eigentlich an ganzer Länder für Ressourcen, Ausbeutung irgendwie übernommen werden oder erobert werden.

00:11:47: Aber in dem Zusammenhang ist es ja gedacht als eine Anlage im ländlichen Stil mit Häuser und Gärten, die auch bebaut werden – da gibt's Höfe- und Obstbäume!

00:11:58: Und das kommt nicht von ungefähr... Wir sind ja im Jahr eighteenhundert sechsundzwanzig und das ist ja ne Zeit….

00:12:04: Da ist beispielsweise jetzt Zeit von Marie Antoinette noch nicht so lange her, so dreißig Jahre ungefähr, fünfunddreißig ja auch berühmterweise so im Park von Versailles und ein kleines Dorf sich errichten lassen, wo sie dann Schäferin gespielt hat.

00:12:19: Und es ist immer noch so im Zeitgeist drin eigentlich dass man eine Land-Idylle auch ein Stück weit inszeniert künstlich also im Landschaftsbau.

00:12:28: dieserzeit sind das ja oft so Staffagen heißt es.

00:12:31: Also das sind dann oft auch Häuser in Parks die eigentlich keinen Zweck haben außer hübsch auszusehen oder diese die sind.

00:12:42: nicht bewohnt, die sind einfach nur Hüllen quasi.

00:12:45: Aber Friedrich Wilhelm III hatte Reisen nach Russland unternommen und hatte da in dem Zusammenhang auch schon so was Ähnliches gesehen – in diesem vermeintlich russischen Landstil unter anderem im Park Pavlovsk bei der Essenernier von St.

00:13:01: Petersburg.

00:13:01: Da war er, zu Besuch, und hat dort die Entwürfe für solche ländlichen russische Häuser gesehen, von einem Architekten namens Carlo Rossi.

00:13:14: Das ist ein italienisch-russischer Architekt.

00:13:18: und dann hat er im Folgejahr auch einen Blockhaus schon errichten lassen, das ist auch so in der Nähe von Potsdam noch heute da – das ist Nikolskur!

00:13:30: Und das war zum Anlass der Hochzeit seiner Tochter Charlotte die den Sohn des Zahren, den späteren Zahn Nikolaus dem Ersten geheiratet hat.

00:13:39: Und zu seinen Ehren wurde Nikolsko dort eingerichtet und ist auch heute noch da.

00:13:44: Da ist auch eine Gastronomie drin

00:13:46: beheimatet.".

00:13:47: Ja das Ganze ist hochgradig künstlich.

00:13:49: also das sieht so aus wie man sich vielleicht ein russisches Dorf vorstellt oder das entspricht so einer Idealvorstellung dessen was ein rüssisches Dorfs sein könnte.

00:14:00: So sah aber damals ganz sicher kein russisches Dorf aus und die Aleksandrovka ist inspiriert eben durch so ein Modell-Kunstdorf in diesem Park, in dieser Pavlovs Sommerresidenz bei St.

00:14:13: Petersburg der Russischen Zahn – du hast es schon erwähnt!

00:14:16: entwickelt von einem italienischen Architekten im Auftrag der Zarin, die ursprünglich eine Prinzessin aus Württemberg war.

00:14:22: Also das sind einfach damalige Zeitvorstellungen.

00:14:25: auch also was man als schön empfindet und dann entsprechend dann auch nach den eigenen Vorstellungen entwickelt ohne dass das jetzt irgendeine besondere Authentizität hat.

00:14:38: Grunde ja skurrile an der ganzen Geschichte ist, dass die Alexandrovka selbst wiederum als Vorbild für andere Kunstdörfer gedient hat, die in Russland erschaffen wurden.

00:14:49: So ein

00:14:50: Ping-Pong-Effekt kann man es sagen dann?

00:14:51: Genau also das war quasi eine nach Deutschland verpflanzte Idealvorstellung dessen wie ein russisches Dorf aussieht, die dann wieder als Vor Bild für Idealforstellungen russischer Dörfer in Russlands gedient haben aber eben wenig mit der Lebenswirklichkeit russicher Bauern oder sowas zu tun hatten.

00:15:07: Und das kann man auch an der Architektur sehen, die auch – man kann es pluggativ sagen in vielem auch sehr fake ist.

00:15:15: Genau!

00:15:15: Auf die Architektor kommen wir gleich zu sprechen.

00:15:18: Ich wollte jetzt nur noch mal festhalten.

00:15:20: Es wird oft gesagt dass die Alexandrovka für die Sänger errichtet wurde und tatsächlich verhält es sich eigentlich anders.

00:15:27: Die Sänger waren übrig geblieben von dieser ursprünglichen Kriegsgefangenschaft und dann Zugehörigkeit zur Kompanie waren dann die perfekte Staffage oder die perfektem Kompasen für dieses gebaute Freundschaftsdenkmal, kann man so sagen.

00:15:44: Also es ist ein bisschen andersrum.

00:15:46: Die wurden auch nicht unbedingt gefragt ob sie dort wohnen möchten?

00:15:50: Bestimmt nicht.

00:15:52: Genau!

00:15:53: Jetzt Thema Architektur, das finde ich auch ganz spannend... Ich wüsste gar nicht wie ein russisches Dorf im neunzehnten Jahrhundert exakt ausgesehen hätte oder auch eins im achtzehnten Jahrhundert.

00:16:05: also meine Assoziation war jetzt eher mit Blockhütten oder so einer Chalet-Bauweise.

00:16:11: die Häuser sind nämlich mit dunklen Holzplanken verkleidet Und es gibt so ein bisschen dieses Aussehen von Blockhütten, aber sie sind auch tatsächlich sehr hübsch mit Schnitzereien noch zusätzlich verziert.

00:16:25: Aber die Architektur hat auch einige Besonderheiten kann man sagen.

00:16:29: Ja

00:16:29: also Sie sehen aus wie Blockhäuser, also mit richtigen Stämmen gebaut, aber in Wirklichkeit stimmt das gar nicht.

00:16:35: Das sieht nur so aus.

00:16:36: Das sind in Wirklichkeit Fachwerkhäuser Und sie haben halt viele Verzierungen, Schnitzereien die es so wahrscheinlich auch im Original nicht gegeben hätte und viele Dinge wie zum Beispiel Balkone, die überhaupt nicht nutzbar sind.

00:16:50: Also die sind einfach nur für den Schein angebracht.

00:16:53: oder Sie haben glaube ich auch Außentreppen weil russische Häuser oftmals Außentreppen haben aber die sind gar nicht erforderlich in diesen Häusern.

00:17:02: also da wurde eben viel eben so dargestellt, dass es eine bestimmte Wirkung entfaltet die aber überhaupt nicht funktional ist.

00:17:12: Wenn man sich das noch mal so genauer anschaut, es gibt Häuser mit einem Stockwerk quasi.

00:17:17: Also immer ein Erdgeschoss und dann gibt's eben einstöckige und zwei stöckigen Häuser.

00:17:21: Und bei den zweistöckigem gibts dann zwei Balkone.

00:17:24: Dieser zweite Balkon wäre zum Beispiel viel zu niedrig da kann kein Mensch drauf stehen beispielsweise oder die Brüstung ist auch sehr niedrig.

00:17:33: also das wär überhaupt keinen Schutz dass man darunter fallen könnte.

00:17:38: von diesen Balkonen Das muss man sich klarmachen, dass sie einfach... Dass da viel mehr Schein als Sein ist sozusagen.

00:17:48: Ja

00:17:49: und ohne vorgreifen zu wollen kann man auch sagen das für viele Menschen die da gewohnt haben diese Wohnverhältnisse oder die Bedingungen in Aleksandrovka gar nicht so schön gewesen sind.

00:18:00: also viele haben sich da gar nicht besonders wohl gefühlt und haben da auch mit relativem Problemen zu kämpfen gehabt

00:18:06: Wobei eine Sache muss man sagen, als sie dann angekommen sind hatten die schon erst mal... Vorteile, weil diese Häuser kam möbliert und sogar mit Inventar ausgestattet.

00:18:20: Also für uns ist es ja... in Deutschland ist das ja ohnehin normal dass man seine Möbel selbst mitbringen muss.

00:18:26: In anderen Ländern gibt's oft möblierte Wohnungen aber das waren Wohnung- und Häuser die bis aufs Geschirr noch mit allem ausgestattert waren.

00:18:34: Es gab da so ein Zeitgenössisch Die Aussage, die Colonisten müssen nur noch Brot und Butter mitbringen in die Kolonie.

00:18:42: Dann ist alles perfekt... Also die Ausstattung umfasste die Betten, die Bettwäsche.

00:18:48: da waren die Möbel wie gesagt auch schon da.

00:18:50: das Küchengerät des Stallinventar also es hat ja auch immer noch einen Stall dazu gehört.

00:18:56: Das Ganze war ja auch ein bisschen wie eine Art kleiner Bauernhof angelegt.

00:19:01: Es ging in alle Details.

00:19:03: Spiegel an der Wand, ein Spindrad war vorhanden.

00:19:07: Den hat es erst mal an nichts gefehlt und zwar auch geräumiger als dies gewohnt waren tatsächlich.

00:19:14: aber das hatte trotzdem seine Tücken des Leben dort also vor allem auch im sozialer Hinsicht.

00:19:21: vielleicht gehen wir da gleich nochmal drauf ein.

00:19:24: Ich würde gerne noch mal so'n bisschen über die Anlage selbst sprechen, das war nochmal ganz interessant weil verantwortlich für die Gesamtanlage also so die Häuser und das Gelände und wie alles miteinander gestaltet ist, war eine sehr, sehr wichtige Figur des Preußischen Gartenbaus Josef Péter-Lenais und der wurde vom König selbst beauftragt.

00:19:46: Der König hat aber tatsächlich so'nn bisschen in dessen Entwürfe.

00:19:50: somit Ja, mit rein gepfuscht könnte man jetzt böse sagen.

00:19:52: Aber der hat sich auf jeden Fall damit eingebracht?

00:19:55: Ja, er hatte eigene Ideen.

00:19:57: also ich glaube auch die Entwicklung des Hypotrons war seine Idee unter anderem... Also dass die Alexandrovka das sieht man natürlich nicht wenn man jetzt eben ehrlich drauf schaut.

00:20:08: aber wenn man quasi so eine Art Luftbild hat oder von oben drauf schaut dann sieht man dass diese ganze Anlage Sie ist jetzt auch nicht unglaublich groß.

00:20:15: Das ist ja ein gutes Dutzend Gebäude, wie ein Hypodrom also eine antike Pferderennbahn gestaltet ist.

00:20:23: und das war jetzt nicht irgendeine seltsame Idee des Königs sondern diese Hypodrommarchitektur war in der Zeit en vogue nach der Revolution in Frankreich.

00:20:33: auf dem Marsfeld hatte man so einen Hypodrome angelegt und achte seit fünfzehn tatsächlich auch in Braunschweig als umgekehrt eben als Siegesdenkmal in den napoleonischen Kriegen.

00:20:45: Und insofern war eben das Hipodrom als so eine Art Sieges-Denkmal ein zentrales Symbol,

00:20:52: was auch noch ganz spannend ist dieses Hypodrom, also das ist ja so eine ovale Grundform.

00:20:57: Das wird nochmal durchschnitten von zwei Diagonalen.

00:21:00: Zwei Diagonale Wege führen dadurch und bilden ein sogenanntes Andreaskreuz.

00:21:06: Das ist das Symbol des Heiligen Andreas.

00:21:10: Es ist auch ein Schutzpatron von Russland.

00:21:13: Prinzipiell ist es auf einigen Flaggen präsent.

00:21:16: heute ich glaube die Schottische Flagge kommt da auch noch zum Beispiel in den Sinn Genau bei Bahnübergängen, genau.

00:21:24: Also ein Andreaskreuz.

00:21:26: und es gibt aber auch noch außerhalb von dieser Wiese von der Kolonie noch weitere Teile die dazugehören und diese sind auch ganz wichtig Und zwar ist das die Kirche, die oberhalb der Kolonie auf einem Hügel steht.

00:21:41: Das war immer klar dass da die Kirchen dazu gehört.

00:21:44: Liné hätte sie gerne an der Kreuzung dieser Diagonalen gehabt also im Zentrum der Kolonie.

00:21:51: Der König hat sich dann dafür entschieden, dass sie oberhalb auf dem Hügel thronen soll also auch so ein bisschen symbolisch.

00:21:57: Daneben steht da noch das königliche Landhaus in der Nähe der Kirche.

00:22:01: Also die Repräsentation von Kleros und König thront über oberhalb Colonisten, das ist nochmal so ein bisschen eine Symbolik dahinter.

00:22:12: Und diese Kirche ist auch sehr interessant!

00:22:15: Das ist die älteste russisch-orthodoxe Kirche in Europa tatsächlich

00:22:21: Genau, und die wurde damals dort errichtet auch von einem russischen Architekten.

00:22:26: Schinkel hat da noch mal ein bisschen mit daran gearbeitet und sie ist Aleksandar Nevsky gewalt.

00:22:33: Aleksander Nevsky ist ein russischer Nationalheiliger war ein Fürst aus dem dreizehnten Jahrhundert und hat in dieser Eigenschaft einmal die Schweden und einmal auch den deutschen Orden besiegt.

00:22:47: Unter Historikern ist man sich jetzt nicht so sicher, wie umfassend oder relevant diese Siege tatsächlich gewesen sind.

00:22:54: Aber in der russischen Tradition wurden sie auch sehr stark erhöht und Alexander Nefsky gilt da eben als Nationalheiliger insofern, als er Russland vor fremden Mächten gerettet

00:23:06: hätte.".

00:23:06: Genau.

00:23:07: Und dann haben wir eben noch dieses königliche Landhaus, also dieser Hügel den ich erwähnt habe heißt im Übrigen Kapellenberg und es ist so kann man sagen das größte und auffälligste Gebäude.

00:23:17: Das ist ein bisschen andeutungsweise auch in diesem ländlichen Stil aber es behauptet nicht dass es ein Blockhaus wäre sondern ist so offensichtlich mehr repräsentativ gestaltet Genau, ist ein bisschen aufwendiger.

00:23:35: Dort hat tatsächlich der preußische König ganz gern mal einen Tee eingenommen.

00:23:40: Das Ganze war aber dann gar nicht mehr so in diesem russischen Stil.

00:23:45: Also es nachweislich gab's dort einen Samovar also so'n russischem Teezubereiter.

00:23:51: Der wurde genutzt.

00:23:52: Aber ansonsten war das eigentlich alles so ganz nach preußischer Manier.

00:23:57: In der Zeit und da konnte er auch manchmal Gesellschaften hin einladen konnten relativ viele Leute mit ihm zusammen königlich preußisches Porzellan aus dieser KPM-Manufaktur nutzen.

00:24:12: Und also er hat das bis zu seinem Tod fast regelmäßig besucht und war dort, aber danach ist dann des Königliche Landhaus Ja, in seiner Bedeutung zurückgegangen.

00:24:23: Also das ist dann so ein bisschen verfallen.

00:24:25: da haben dann nicht mehr wirklich Menschen drin gewohnt.

00:24:28: Das wurde dann irgendwann nochmal im zwanzigsten Jahrhundert haben dann da glaube ich Restauratoren drin gewöhnt die damit beauftragt waren das ein bisschen ins Schuss zu halten aber es war eigentlich nicht mehr wirklich in Nutzung danach.

00:24:40: Das Ganze war schon eine sehr persönliche Geschichte.

00:24:43: für Friedrich Wilhelm III und seine Nachfolger war weder dieser Bezug zu Alexander I oder Russland diesen russischen Kolonisten oder dieser Aleksandrovka so emotional aufgeladen und wichtig.

00:24:56: Und man muss ja auch sagen, Mitte des neunzehn Jahrhunderts ist dann auch der letzte dieser russische Sänger die da gelebt haben gestorben.

00:25:05: Sie haben dann länger nachfahren dort gelebt.

00:25:07: tatsächlich ist er der Letzte Nachfahre einer dieser russischen Sänger, Zwei Tausend Acht in der Alexanderovka gestorben.

00:25:15: Also fast zweihundert Jahre Traditionen ja?

00:25:18: Aber das hatte dann eben nicht mehr diese politische Bedeutung und hat eben auch nicht mehr die Aufmerksamkeit erfahren unter den späteren preußischen Herrschern, die auf Friedrich Wilhelm III.

00:25:28: gefolgt sind.

00:25:29: Wir haben das ja vorhin schon mal gestreift, vielleicht nochmal ganz kurz zum Leben in der Kolonie.

00:25:34: Also wie sich das angefühlt hat für die Kolonisten.

00:25:38: Da gab es auch eine zentrale Figur und zwar wurde Mitte der Kolonie, da wo sich diese Diagonalenkreuzen von denen ich erzählt habe.

00:25:47: Nicht die Kirche errichtet aber ein anderes Haus nämlich das Haus des Aufseers.

00:25:52: Die Kolonie hatte einen Aufseher genau und es war ein ehemaliger Feldwebel.

00:25:57: Der war mittlerweile halb in Valide Aber das wurde halt gezielt so ausgesucht dass ein Militär dort Für Ruhe und Ordnung oder Zucht und Ordnungen.

00:26:06: Man musste glaube ich auch eine Verwendung für ihn finden Und insofern hat das ganz gut gepasst.

00:26:10: Genau.

00:26:11: aber der hatte ne Strafbefug der durfte dann bei Vergehen durch die Kolonisten, die bestrafen auf die ein oder andere Weise.

00:26:20: Der hat halt dafür gesorgt dass da nach preußischen Maßstäben Moralvorstellungen eingehalten werden das die Kinder auch zur Schule gehen ihre Schulpflicht nicht vernachlässigen er hat immer einen Auge drauf gehabt es gab Probleme mit Alkoholismus und Glücksspiel heftige Ehrstreitigkeiten.

00:26:40: Man muss sich das auch vorstellen, aus den zeitgenössischen Quellen wird auch deutlich dass manche dieser Familien auf sehr sehr engem Raum gewohnt haben allein durch die Tatsache, dass manchere sehr viele Kinder hatten.

00:26:52: Es war ziemlich unüblich in dieser Zeit natürlich

00:26:55: Ja aber es gab da Großfamilien, die hatten zehn zwölf Kinder und die Häuser hatten eine Wohnfläche von achtzig Quadratmetern.

00:27:03: manchmal also das ist dann schon ganz schön eng Und da blieben Konflikte auch nicht aus und dieser Aufseher war dazu bestimmt, das dann zu schlichten.

00:27:17: für Ruhe und Ordnung zu sorgen, aber die Kolonisten standen eben ständig unter Beobachtung.

00:27:22: Das war jetzt nicht so, dass es mit besonderer Freizügigkeit oder besonderer Freiheit verbunden gewesen war – das war insofern eben auch….

00:27:31: Aber das ist mir jetzt nicht ungewöhnlich für diesen Zeitkontext alles sehr eng gefasst!

00:27:37: Eine Besonderheit war noch das Erbrecht.

00:27:39: also es waren nur ehelich geborene Söhne berechtigt dieses Haus zu übernehmen vom Vater.

00:27:46: Und wenn es keinen Sohn gab, ist das Haus wieder zurückgefallen an den König.

00:27:51: und wenn eine Frau einmal verwittet war auch ohne Sohn durfte sie sich nicht neu verheiraten.

00:27:57: War also dann in einer sehr schwierigen Position.

00:28:01: Also es ging diesen Familien nicht gut.

00:28:03: da wurden zum Teil auch Kinder in Weisenhäuser gegeben obwohl die Eltern noch gelebt haben um einfach irgendwie ihre Versorgung und auch ihre Schulbildung sicherzustellen.

00:28:13: Die Gegenleistung war dann oft, dass die ins Militär eintreten

00:28:16: mussten.".

00:28:16: Das ist keine romantische Landedülle das Ganze!

00:28:19: Muss man wirklich noch mal so festhalten?

00:28:21: Nein es sieht nur so aus.

00:28:22: Es ist für die Betrachter gedacht und es ist eben als politisches Symbol gedacht.

00:28:27: Das war zuletzt und in keiner Weise irgendwie gedacht für die eigentlichen Bewohner was aber quasi eine Art präusischen Tradition auch entsprochen hat weil die gesamte Stadt Potsdam war ja auch eher eine Fassade als eine gewachsene Großstadt.

00:28:43: Also es war ja so, dass auch Potsdem im achzehnten Jahrhundert Fassaden erhalten hat die denen anderer europäischer Großstädte ähnelten, aber überhaupt nicht zu den tatsächlichen Wohnbedürfnissen der Menschen gepasst haben.

00:28:57: Die dort gewohnt haben.

00:28:59: Aber das war also dem König egal sagen wir mal so.

00:29:03: Also es ging darum dass er seinen Besuchern und seinen Gästen vermitteln wollte, dass Preußen eben nicht irgendein rückständiges ländliches abgelegenes irgendwas ist sondern dass es eben dieses Preussen und seine Residenz mit den großen europäischen Hauptstätten wie Paris und London aufnehmen kann.

00:29:20: Und dafür wurden dann eben entsprechende Fassaden errichtet, ob sich das für die Bewohner irgendwie rentierte oder für die irgendwie sinnvoll war spielte keine Rolle.

00:29:30: Insofern ist es nicht überraschend dass man das bei der Alexandrovka auch nicht unbedingt anders gemacht hat.

00:29:35: Der König stirbt in den achtzentvierziger Jahren.

00:29:38: seine Nachfahren haben nicht mehr dasselbe Interesse an der Kolonie.

00:29:43: Die Colonisten bleiben dort aber teilweise weiter wohnen, also eben in manchen Familien wird das so weiter gereicht von Vater an Sohn und dessen Sohn.

00:29:53: Und so geht es immer weiter.

00:29:55: So ist die Kolonie bewohnt auch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs dann zu Zeiten der DDR.

00:30:04: Schwierig, weil die dann ziemlich renovierungsbedürftig sind.

00:30:09: Die Häuser, die sind schon über hundert Jahre alt.

00:30:12: Da wird wenig gemacht oder ... quasi gar keine Restaurierung oder Renovierungen gemacht.

00:30:18: Da verfallen die eigentlich immer weiter und sind dann immer weniger bewohnbar, das geht auch so weiter bis zur Wiedervereinigung.

00:30:27: Dann ab der Jahrtausendwende ist es möglich diese Häuser käuflich zu erwerben.

00:30:33: da kommen dann Privatleute und sanieren sie unter großem Aufwand zum Teil.

00:30:39: also.

00:30:40: Ich denke, der Kaufpreis ist oft ziemlich gering.

00:30:43: Aber der Sanierungsaufwand ist dann mindestens noch mal den Kaufpreise oben drauf.

00:30:48: Das muss man wollen!

00:30:50: Heute sind aber alle Häuser bewohnt.

00:30:52: Einer der prominentesten Bewohner oder der prominenteste Bewohner ist der ehemalige Potsdamer Oberbürgermeister, der sogar zu seiner Amtszeit schon dort gewohnt hat.

00:31:02: Heute ist die Alexandrovka ein bewohntes Denkmal, kann man sagen?

00:31:08: Man kann das besichtigen.

00:31:10: Wenn ihr jetzt beim Hören das Gefühl bekommen habt, ihr wollt es selber mal sehen haben wir noch ein paar Tipps für euch.

00:31:17: Wenn ihr dort mal essen gehen wollt, gibt es in dem Haus I ein Restaurant wo man original russische Küche genießen kann.

00:31:27: Da sind Sachen drunter wie Borscht oder Soljanka oder Blinis.

00:31:32: da ist das ganze Jahr über auch Restaurantbetrieb.

00:31:36: im Haus II wiederum gibt's einen Gartencafé was so von März bis Oktober betrieben wird und da kann man schön unter diesen alten Obstbäumen sitzen.

00:31:46: Kuchen, Essen und so ein bisschen drüber nachdenken wie die russischen Sänger dort mal gelebt haben.

00:31:53: Und in dem Haus Zwei ist im Übrigen auch noch ein Museum.

00:31:56: da kann man auch noch Führungen buchen um sich mehr über das Leben in der Aleksandrovka erzählen zu lassen.

00:32:02: Man kann es auch selber nochmal erkunden.

00:32:04: Das Museum ist ein bisschen mit dem Inventar nachgestellt Wie so einen Originalhaus aussah.

00:32:11: Man kann durch diesen von Lenné angelegten historischen Garten gehen den Tag dort in Potsdam ausklingen lassen.

00:32:19: Wir hoffen, ihr habt ein bisschen Lust bekommen euch das anzuschauen.

00:32:22: Das Ganze ist im Übrigen auch – das haben wir überhaupt nicht erwähnt – ein UNESCO-Weltkulturerbe.

00:32:27: die Alexandrovka ist Teil des Potsdommer UNESCO Erbes.

00:32:32: Okay Marcel, jetzt zum Ende der Folge nochmal die Frage.

00:32:35: Was war für dich eigentlich die spannendste Erkenntnis?

00:32:39: Oder was ist eigentlich der Clou an der ganzen Sache?

00:32:42: Naja ich denke, der Clue an der ganze Sache ist dass dieser Ort aussieht wie ein russisches Dorf aber mit einem russischen Dorf im Grunde nichts zu tun hat sondern das es ein politisches Symbol ist und dass das kein Ort ist, der für die Menschen gebaut wurde, die da gewohnt haben, sondern ursprünglich eigentlich die Menschen nur als Staffar dafür gedient haben, dieses Symbol zu beleben.

00:33:04: Auf jeden Fall ein sehr interessanter Ort.

00:33:07: Und wenn ihr Lust bekommen habt, fahrt einfach mal dorthin und schaut es euch selber an!

00:33:12: Natürlich leben dort heute auch Menschen.

00:33:15: deswegen immer respektvoll vor Ort sein, wenn ihr den besucht aber wir freuen uns über Feedback, wenn Ihr dort wart.

00:33:24: Ja und wenn Euch die heutige Folge gefallen hat dann freuen wir uns natürlich sehr, wenn er den Podcast weiter empfehlt und schickt uns gerne Vorschläge für neue... Oder wenn ihr Fragen habt, wenn euch was aufgefallen ist dann schickt uns gerne Nachricht an hallowed hier und or.de Und wir freuen uns, wenn ihr auch das nächste Mal wieder einschaltet!

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