Folge 2 - Ein schwerer Fall von Größenwahn

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00:00:05: Herzlich willkommen bei Hier und Ort, wo Geschichte zu Hause ist.

00:00:09: Ich bin Nele….

00:00:10: …ich bin Marcel – und in diesem Podcast nehmen wir euch an Orte mit die mehr erzählen als man denken würde!

00:00:16: Diese Woche sind wir an einem Ort der erst mal ziemlich unscheinbar wirkt aber der beinahe das Gesicht einer ganzen Stadt verändert hätte.

00:00:24: Doch bevor es jetzt gleich mit der heutigen Folge losgeht kommt erstmal zur Einstimmung das Kopfkino.

00:00:32: Mitten in einem

00:00:32: Wohngebiet

00:00:33: steht ein massiver Zylinder aus Beton.

00:00:36: Autos fahren vorbei, Menschen gehen mit ihren Hunden spazieren.

00:00:40: Im Sommer verschwindet

00:00:41: der Koloss fast hinter Bäumen und Sträuchern.

00:00:44: Der Beton ist grau

00:00:45: und rau

00:00:46: Moos sitzt in den Ritzen Regenwasser sammelt sich

00:00:49: in Flachenmulden Oben eine

00:00:51: Plattform darunter nur Masse.

00:00:54: Der Baukörper wirkt fehl am Platz

00:00:56: wie ein Überbleibsel ohne Zweck.

00:00:59: Man fragt sich unweigerlich, warum er hier steht

00:01:02: und

00:01:02: warum er nie verschwunden ist.

00:01:05: Was das alles mit Ingenieuren extremen Belastungen und Größen waren zu tun

00:01:10: hat erfahrt ihr

00:01:12: in der heutigen Folge.

00:01:14: Okay Marcel, in dem heutigen Kopfkino haben wir es gehört.

00:01:17: Es ist weniger ein Gebäude mit dem wir es zu tun haben als vielmehr einen Betonklotz kann man sagen oder ein Betonzylinder.

00:01:25: um ganz genau zu sein wenn man ganz genau hinschaut gibt's ganz kleine Fensteröffnungen unten in diesem Sockel aber es ist doch ziemlich deutlich das ist kein Wohnhaus.

00:01:35: dann könnte man auch denken es ist vielleicht so ein Gasometer die sind ja oft zylindrisch aber die sind anders konstruiert sie sind ja viel leicht rechtere Konstruktionen, dann könnte es vielleicht ein Weltkriegsbunker sein.

00:01:48: Aber das passt auch nicht so ganz.

00:01:50: und ja, dann fragt man sich so nach und nach ist es ein Funktionsbau in irgendeiner Form oder was kann dieses Ding da eigentlich sein?

00:01:58: Also tatsächlich ist es nicht einmal ein Funksionsbau und du hast ja diesen Zylinder eben relativ deutlich beschrieben, wir haben's auch im Kopfquino gehört.

00:02:06: zur Schönheit steht er dort auch nicht.

00:02:12: Es wenn man so sagen kann, wofür steht dort ein Testbau und was sollte da getestet werden?

00:02:18: Der Antwort auf diese Frage kommen wir auf die Spur, wenn wir noch einen genaueren Blick auf dieses Gebäude werfen.

00:02:24: Dieses Gebäud ist nämlich nicht nur klobig und relativ groß und massiv es ist unglaublich schwer.

00:02:30: also das ist auch für so ein Betonklotz unglaublich Schwer!

00:02:34: Es wiegt zwölf tausend sechshundert fünfzig Tonnen.

00:02:37: Was man sich nochmal klar machen muss wenn man den anschaut man steht davor man sieht vierzehn Meter in die Höhe ragen, was einem nicht klar ist dabei.

00:02:45: Der geht auch nochmal achtzehn meter in die Tiefe runter.

00:02:48: das Ding is über dreißig Meter hoch und massiv aus Beton.

00:02:52: genau es wiegt Über zwölftausend Tonnen dann muss man sich noch mal um vielleicht ein Gefühl dafür zu bekommen.

00:02:59: Das ist ein Gewicht pro Quadrat Zentimeter von über zwölft Kilogramm.

00:03:04: Ich weiß nicht wie's bei euch ist aber Bei mir ist ein Quadratzentimeter ungefähr einen Fingernagel würde ich sagen und da hätte ich ungern zwölf Kilogramm drauf stehen.

00:03:12: Klingt komisch, aber genau das ist der Zweck dieses Gebäudes.

00:03:16: es soll nämlich feststellen wie viel Gewicht der Berliner Boden tragen könnte.

00:03:22: Okay, jetzt hast du verraten dass wir uns in Berlin befinden heute.

00:03:25: Das ist auch ein wichtiger Schlüssel dafür warum dieser Klotz da steht und warum er diesen Zweck hatte und auch warum wir ihn für die heutige Folge ausgewählt haben.

00:03:36: Denn dieses Gebäude heißt Schwerbelastungskörper.

00:03:39: Manchmal wird es auch Großbelastungskörper genannt Und der Schwer-Belastungsskörper ist eines der wenigen Überbleibsel von den Größenwahnsinnigen Versuchen der Nazis eine völlig neue Hauptstadt für ihr Groß-Germanisches Reich zu machen.

00:03:56: Genau, es gibt dafür unterschiedliche Begriffe die man vielleicht mal gehört hat.

00:04:00: Germania ist eines davon.

00:04:02: Welthauptstadt-Germania ist ein Begriff der... Der

00:04:05: ist aber irgendwie gar nicht zeitgenössisch?

00:04:07: Der

00:04:07: ist nicht wirklich zeitgenösisch!

00:04:08: Also das sind solche Begriefe die ja also zu unterschiedlichen Zeiten auftauchen.

00:04:13: Neue Reichshauptstadt, Germania, Welthauptstadt.

00:04:16: Welthauptstatt-Gермania ist einen Begriff, der eher so im Nachhinein aufgetaucht ist und ein bisschen diesen Mythos beschreiben soll, der damit auch verknüpft ist.

00:04:26: Und der manchmal auch gar nicht so kritisch gesehen wurde wie man das vielleicht eigentlich vermuten würde.

00:04:31: also dass die Ideen die Albert Speer – das war Hitlers Lieblingsarchitekt später auch sein Rüstungsminister und daher entscheidend verantwortlich für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und die Rüstungspolitik, die dieser Albert Speere entwickelt hatte um Berlin komplett umzubauen und sich dabei auch stark an Hitlers Vorstellungen zu orientieren, wie diese neue Stadt aussehen sollte.

00:04:55: Ja das fand ich auch ganz spannend im Vorfeld.

00:04:57: Ich hatte es nämlich gar nicht so auf dem Schirm.

00:05:00: man weiß ja immer Hitler ein gescheiterter Künstler also einen man sagt ja auch gerne Kunstmahle in Wien abgelehnt von der Kunstakademie aber ich wusste nicht dass er sich als Architekt gesehen hat.

00:05:12: Hitler hat sich ja als Künstlern empfunden, er hat ja zeitweise auch seinen Lebensunterhalt verdient oder mitverdient durch malen von Postkarten und er wäre ja auch gern auf eine Kunstakademie gegangen, aber das hat nicht geklappt.

00:05:24: Aber er hat sich tatsächlich auch als Städteplaner empfunden.

00:05:28: Er hat auch Skizzen gemalt lange bevor er tatsächlich an die Macht gekommen ist in den zwanziger Jahren.

00:05:33: Schon in

00:05:34: den neunzigzwanzigern!

00:05:34: Ja genau und das ist für unser Thema besonders interessant denn dass eigentliche Gebäude um das es hier bei dem Schwerbelastungskörper geht also für denen der Schwer belastungskörper den entscheidenden Test darstellt Dieses Gebäude hat Hitler schon in den Zwanzigerjahren entworfen, in seinem Kopf.

00:05:51: Vielleicht

00:05:51: sollten wir das jetzt auch nochmal direkt so ein bisschen näher ausführen bevor wir dann noch mal auf Germania im Allgemeineren vielleicht eingehen.

00:05:59: aber der Schwerbelastungskörper diente ganz konkret dem Zweck zu testen ob ein riesiger Triumphbogen gebaut werden kann.

00:06:07: Der Triumph-Bogen sollte an der sogenannten Nord Südachse stehen.

00:06:12: Das wäre eine Kilometer lange Straße gewesen.

00:06:18: Also unglaubliche Ausmaße, wahrscheinlich auch für Paraden dass da auch irgendwelche Panzer drauf fahren können

00:06:25: als Kulisse für faschistische Inszenierungen.

00:06:28: im Grunde ja.

00:06:29: um

00:06:29: sich das dann nochmal näher vorzustellen dieser Triumphbogen hätte über einhundert Meter hoch sein sollen.

00:06:37: ich glaube fast Hundert Meter auch tief?

00:06:40: Ja also über, ich glaube, hundertsebzehn Meter hoch.

00:06:42: Überhundert Meter tief, überhundert meter breit.

00:06:45: Wir kennen ja vielleicht den Arktetriumf in Paris – der ist ja auch schon sehr wuchtig aber er passt sich sozusagen in das Stadtbild ein, bildet ja den Abschluss der Champs-Elysées und dieser Arktetriumf ist etwa fünfzig Meter hoch!

00:06:59: Und wir sprechen hier bei diesen Germaniaplanungen um über einen Triumphbogen, der ein Vielfaches dieses Parises Triumphbogens gewesen?

00:07:09: Genau, ich habe da unterschiedliche Schätzungen gefunden.

00:07:13: Das variierte sehr stark.

00:07:14: ob der Pariser Bogen dann da zwölfmal reingepasst hätte oder fast fünfzig mal reingemasst hätte auf jeden Fall wäre dieser Triumph-Bogen gigantisch gewesen und hätte natürlich auch unglaubliches Gewicht auf den Boden ausgeübt wobei nicht ganz so konzentriert wie bei dem Schwerbelastungskörper

00:07:33: doch ganz genauso konzentriert wie bei dem Schwerbelastungskörper.

00:07:36: Also der Schwer belastungskörper simuliert die Wirkung von hundert sechsundzwanzig Tonnen auf einen Quadratmeter oder über zwölf Kilo auf ein Quadratzentimeter und das wäre exakt, oder das Gewicht gewesen dass dieser Triumphbogen auf den Boden ausgeübt hätte nur natürlich auf einer deutlich größeren Grundfläche.

00:07:57: Dieser Triumph Bogen wäre dann Teil dieser Achse gewesen.

00:08:01: vielleicht kann man das nochmal so ein bisschen aufdröseln, wie da die Planung war.

00:08:05: Und zwar es hätte einen Südbahnhof gegeben.

00:08:08: der wäre auch riesig gewesen mit sehr vielen Gleisen Züge die dann in die neu eroberten Ostgebiete gefahren wären und von diesem Bahnhof wäre man dann eine Straße entlang gegangen die von Panzern gesäumt gewesen wäre oder solchen also nicht wirklich Panzer,

00:08:26: Geschütze

00:08:27: aber als Skulpturen.

00:08:28: Dann hätte man diesen Triumphbogen durchschritten, eingemeißelt.

00:08:32: alle Namen der gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg?

00:08:36: Ja,

00:08:36: eins Komma acht Millionen Menschen die sollten auf Hitlers besonderen Wunsch dort alle mit ihren Namen eingraviert werden und wir haben vorhin ja diesen Vergleich zum Pariser Triumph Bogen gewählt.

00:08:46: also das steht auch tatsächlich in einem deutlichen Zusammenhang.

00:08:49: Also dieser Triumph bogen hätte halt einfach dadurch dass er viel größer ist all diese Namen ein Symbol des Triums auch über Frankreich sein sollen.

00:08:58: Der alte Feind!

00:09:00: Das hätte ja wahrscheinlich eine Weile gedauert, die µm Namen und das wäre auch – ich weiß nicht – wahrscheinlich mikroskopisch klein gewesen.

00:09:07: Wäre dann die Frage gewesen wie das überhaupt hätte umgesetzt werden sollen?

00:09:10: Aber diese Frage stellt sich ja ohnehin bei diesem ganzen Projekt.

00:09:13: Genau!

00:09:14: Dann wäre es weitergegangen.

00:09:15: noch ein Stück dieser Nord-Südachse rauf zu auf die sogenannte große Halle.

00:09:20: Das war das absolut gigantische Bauwerk, dass da geplant war.

00:09:24: Das hätte eine Höhe von fast…

00:09:28: Fast dreihundert Meter.

00:09:29: haben sollen.

00:09:30: Also für die, die Berlin kennen diese Halle hätte in unmittelbarer Nachbarschaft des Reichstages stehen sollen.

00:09:36: der Reichstag wäre ein ja fast mikroskopisch kleines.

00:09:40: Der

00:09:40: Reichstag hätte dann wie das Fördnerhäuschen davon ausgesehen?

00:09:43: Ja ganz

00:09:43: genau also dieses große Halle des Volkes wie gesagt fast dreihundert Meter hoch mit hunderten Metern Seitenlänge und wäre dafür konzipiert gewesen insgesamt eineinundachtzig tausend Menschen für Propagandaveranstalt Indoor Platz zu bieten.

00:10:01: Ja, das ist irre wenn man sich das nochmal so vor Augen führt.

00:10:04: Wenn dann zum Beispiel Hitler oder einer aus seiner Führungsriege da irgendwelche Reden gehalten hätte... Man muss sich ja klar machen es war ja Vorzeiten der Videoübertragung also es hätte natürlich Lautsprecher gegeben damit wirklich alle hören können was der Demagoge der Stunde da unten gerade sagt aber der wäre ja trotzdem mikroskopisch klein erschienen den in den hinteren Reihen

00:10:28: ganz genau als es hätte vielleicht auch Willig Albern gewirkt und vor allem weiß man letztendlich auch gar nicht, was die Umsetzung dieses riesigen Gebäudes bedeutet hätte.

00:10:38: Also wenn hundertachzigtausend Menschen in einem so großen Gebäude gewesen wären dann gibt es zumindest die These oder die Idee das in diesem Gebäud ein eigenes Klima entstanden wäre also dass die Menschen so sehr transpiriert hätten, dass es in dieser Halle möglicherweise angefangen hätte zu regnen.

00:10:54: Auch nicht so eine leckere Vorstellung?

00:10:55: Nein sicherlich nicht!

00:10:56: Genau der Triumphbogen wäre quasi so ne Art total auf dem Weg zu dieser großen Halle gewesen.

00:11:03: Ja, jetzt ist es ja dazu dann nie mehr gekommen ne?

00:11:06: Also der Schwerbelastungskörper vielleicht nochmal am Rande ist aus dem Jahr nineteen einundvierzig das war ja schon im Krieg.

00:11:12: Das stimmt also die Planungen für diese neue Reichshauptstadt, die begannen in den dreißiger Jahren, neunzehnt achtunddreißig gab's auch schon die ersten Ideen für diesen Schwer belastungskörper als Test und neunzelneinundviertzig wurde er dann tatsächlich umgesetzt und dort hingebaut.

00:11:28: ursprünglich hätte er nur einige wenige Monate stehen sollen, aber er blieb stehen.

00:11:33: Die Ideen diese neue Reichshauptstadt zu bauen wurden dann dankenswerterweise ja auch Makulatur da der Krieg nicht so verlief wie die Nationalsozialisten ihn sich erhofft hatten wobei man sagen muss zwischenzeitlich fanden zahlreiche Beteiligte die Bombenangriffe die auf Berlin geflogen wurden beispielsweise als sehr hilfreich weil klar war das im Zuge dieser enormen Planungen.

00:11:55: dazu gehörte ja nicht nur die Nord-Südachse sondern Man kann es sich denken, auch eine Ost-West-Achse die Berlin massiv durchschnitten hätte.

00:12:03: All diese Pläne hätten dazu geführt dass man Berlin massif umgebaut hätte und das unglaublich viel historische Bausubstanz ohnehin verschwunden wäre.

00:12:13: Durch die Zerstörung im Krieg so erschien das sicherlich.

00:12:16: einigen dieser Beteiligten wurde das sozusagen hilfreich abgenommen.

00:12:20: Ja, das hatte ich mir auch glaube ich noch nicht so vorher klargemacht.

00:12:24: Ich habe ja oft mir alte Aufnahmen von Berlin aus der Kaiserzeit zum Beispiel angeschaut.

00:12:30: So den Kurfürsten Damm wie er mal ausgesehen hat oder auch all diese Gebäude auch aus der Gründerzeit zum Beispiel.

00:12:36: Ja, ich meine auch heute die meisten Leute leben ganz gerne in diesen Altbauten in Berlin.

00:12:42: Das ist die schönen Fassaden!

00:12:43: Es ist ja auch ein bisschen was davon erhalten.

00:12:45: aber es gibt auch unheimliche Baulücken einfach und fragt, wie Berlin eben aussehen würde wenn das alles nicht geschehen wäre.

00:12:54: Aber was ich mir nie klar gemacht habe war dass das seit neunzen dreien dreißig besiegelt war quasi des schicksal dieses willhelminischen berlins weil die nazis das ja beseitigt hätten wenn ich der luftkrieg gekommen wäre.

00:13:07: Ja

00:13:07: genau, das ist ein ganz entscheidender Punkt.

00:13:10: Also man kann auf der einen Seite natürlich diese ganzen Pläne für skurril oder absurd halten aber man muss sich immer wenn man das tut klar machen dass es ja nicht einfach nur ein paar größen wahnsinnige Ideen eines verhinderten Künstlers gewesen sind also dass Hitler sich irgendwas ausgedacht hat und da mit seinem Lieblingsarchitekten skurrile Ideen entwickelt hat sondern das waren richtig ernsthaft gemeinte Plänen die so umgesetzt worden wären und man hatte er auch schon begonnen umzusetzen, wenn die Nazis durch einen Erfolg im Krieg die Möglichkeit dazu bekommen

00:13:41: hätten.

00:13:47: Nein, also Speer war ja Architekt.

00:13:49: Also er war sicherlich ein großer Bewunderer Hitlers übrigens auch ein ganz entscheidender NS-Verbrecher.

00:13:55: das ist viele Jahrzehnte nach dem Krieg immer ein bisschen untergegangen.

00:13:58: da hat er sich ja auch als der verführte Künstler inszeniert.

00:14:02: Er wurde ja als ein Hauptkriegsverbrecher verurteilt, saß zwanzig Jahre in Haft kam dann frei wieder.

00:14:07: aber Speer vor allem als Rüstungsminister dafür verantwortlich dass nationalsozialistische Deutschland den Zweiten Weltkrieg so lange führen konnte.

00:14:16: Es gibt auf jeden Fall die durchaus beachtenswerte These, dass möglicherweise das NS-System schon seit ¾ zusammengebrochen wäre als der Krieg im Grunde nicht mehr zu gewinnen war.

00:14:26: Aber Speer ist eben durch die massive Ausbeutung von Zwangsarbeitern ermöglicht hat diesen Krieg noch länger zu führen.

00:14:32: also das ist ein ganz wichtiger Punkt den man immer mit berücksichtigen muss.

00:14:36: Speer war aber auch Architekt und ihm war durchaus auch klar Pure Größe oder diese Massivität, die diesen Triumphbogen ausgezeichnet hätte nicht unbedingt eine enorme Wirkung entfaltet hätte.

00:14:48: Sondern dass eben so ein riesiges Gebäude alles andere ja im Grunde degradiert hätte und einer enormen Wirkung auch entgegengestanden hätte.

00:14:56: vielleicht vergleichbar mit dem was du anfangs auch über die Rednerwirkung in dieser großen Halle des Volkes gesagt hattest?

00:15:03: Vielleicht noch mal ganz kurz am Rande wir nehmen das hier ja im Jahr immer, dass vielleicht mal zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt hört.

00:15:13: Vielleicht ist es dann auch schon nur noch eine skurrile Anekdote?

00:15:16: Ich hoffe das sehr!

00:15:17: Aber es gibt ja auch derzeit Pläne Triumphbögen neu zu errichten...

00:15:21: Es gibt auch US-Präsidenten die überdimensionierte Triumph Bögen erbauen möchten.

00:15:25: also diese Vorstellung eben ist nicht überholt und das ist ja vielleicht auch ganz interessant weil es gibt in dem Sinne wenn man jetzt zum Beispiel auf diese Germaniapläne schaut die nationalsozialistische Architektur.

00:15:40: Also das ist ja nicht irgendeine bestimmte Form von Architektor, sondern die Nazis haben ja wie das oft totalitäre oder autoritäre Systeme tun versucht eine gewisse klassizistische architekture übel dimensioniert zu reproduzieren also dass sie versucht haben Gebäude zu errichten die irgendwie so ein bisschen so aussehen wir uns die antike vorstellen aber irgendwie völlig unverhältnismäßig und aufgeblasen.

00:16:05: teilweise wurde aber auch mit modernen Funktionsbauten gearbeitet, wenn es eben darum ging andere Gebäude zu bauen zum Beispiel den Flughafen Tempelhof oder Wohngebäude.

00:16:16: Genau also das muss man vielleicht nochmal betonen der Schwerbelastungskörper ist natürlich nicht das einzige Gebäudet überhaupt aus der Nazizeit übrig geblieben ist.

00:16:24: Der Flughafentempelhof ist natürlich Nazi-Entwurf auch ein Funktionbau sowie wie auch das Olympiastadion beispielsweise für die olympischen Spiele.

00:16:35: erbaut worden.

00:16:36: Der Schwerbelastungskörper ist aber trotzdem noch mal was Besonderes, weil der diese Pläne für diesen Kern von Germania so deutlich macht und wie konkret die eigentlich auch schon waren.

00:16:49: Wie nah dran?

00:16:50: Also wenn ihnen dann nicht der Krieg dazwischen gekommen wäre bzw.

00:16:55: war ja schon im Gange, aber wenn der sich eben noch weiter zugespitzt hätte zu ungunsten Deutschlands, dann hätten sie das durchgezogen.

00:17:02: Ja

00:17:02: ja!

00:17:02: Auch die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung vor der Deportation und auch natürlich der Ermordung vieler dieser Menschen stand auch in diesem Zusammenhang, also dass man da Platz sozusagen schaffen wollte für diese neuen Planungen.

00:17:15: Dass auch im Krieg eben noch Zwangsarbeiter in die Stadt gebracht wurden, die innerhalb dieser Planungen eingesetzt werden sollten das alles wäre entsprechend weitergeführt und umgesetzt worden wenn die Nationalsozialisten den Krieg nicht verloren hätten.

00:17:29: Jetzt gibt es aber mehrere Punkte an denen die dann auch gescheitert wären.

00:17:34: ich habe Ich habe auch gelesen, dass es in allen Steinbrüchen Europas nicht genug Baumaterial gegeben hätte um genug Stein heranzuschaffen für diesen Triumphbogen.

00:17:46: Das ist eine sehr verrückte aber sehr interessante Erkenntnis auf die man in diesem Zusammenhang natürlich auch achten muss.

00:17:53: wenn wir jetzt schon an dem Punkt sind können wir auch auflösen was eigentlich das Ergebnis dieses Testbaus gewesen ist.

00:18:00: Das hätte nicht funktioniert?

00:18:01: Genau dieser Testbau im Verlaufe einer relativ kurzen Zeit, um ich glaube fast zwanzig Zentimeter in den Boden eingesackt.

00:18:10: Das heißt der merkische Sand also der durchaus nicht besonders stabile Berliner Boden hätte dieses monströse NS Gebäude gar nicht getragen.

00:18:19: Ich

00:18:19: glaube, das war denen auch schon klar.

00:18:21: Genau!

00:18:21: Aber Sie haben deswegen nicht aufgegeben sondern sie haben auch da schon nach Lösung gesucht?

00:18:25: Genau ich habe in dem Zusammenhang schöne Wörter gelernt wie Rütteldruckverfahren zum Beispiel.

00:18:31: Das hätte bedeutet dass man in die Tiefe bohrt und da dann den Boden durch rütteln quasi so verdichtet damit er das besser tragen kann.

00:18:39: Ja und eine andere Idee war glaube ich mit Pfahlbauten in so Tiefen vorzudringen, dass man dort eben auf stabileren Bodentreffen würde der dann in der Lage gewesen wäre, dieses Gebäude zu tragen.

00:18:51: Also die ...

00:18:53: Sie wollten das um jeden Preis.

00:18:55: Man sieht daran, es wirkt natürlich auf der einen Seite skurril aber man sieht, dass war sehr ernst gemeint und selbst ein so offensichtlicher Rückschlag, das man eben erkennen musste.

00:19:05: Das würde der Boden gar nicht aushalten hat nicht dazu geführt zu sagen okay dann müssen wir da vielleicht mal einige Gänge zurückschalten sondern man hat nur überlegt wie kann man den Boden so stabil machen, dass das hält?

00:19:15: Also daran sieht man auch die Ernsthaftigkeit, die da drin gesteckt hat wie viele Personen daran beteiligt gewesen sind.

00:19:23: Das waren ja nicht nur Hitler und Speer, vielleicht ein paar Nazis sondern das war ja einen Heer von Architekten, Ingenieuren, Experten die da ganz ernsthaft dran gearbeitet haben.

00:19:33: Jetzt muss man sich das noch mal vorstellen.

00:19:35: Du hast ja vorhin schon den Begriff für eine faschistischen Kulisse verwendet, im Grunde wäre Berlin zu einer lebensfeindlichen Stadt geworden kann man so sagen?

00:19:42: Ja!

00:19:43: Das gilt ja für Berlin und viele Großstädte, dass sie sich eben durch eine Vielfalt auszeichnen, dass Sie sich dadurch auszeichnend das unterschiedliche Lebensräume gewachsen sind, unterschiedliche Menschen dort, Kultur-, Kunstmöglichkeiten zum Leben erschaffen und all das wäre beseitigt worden.

00:20:00: also das Ganze wäre die Kulissen... für faschistische Aufmärsche gewesen, zumindest wenn wir uns eben an diesen großen Achsen orientieren.

00:20:08: Da hätten riesige Ministeriums bauten das Oberkommando der Wehrmacht ein neuer riesiger Führerpalast all das hätte dort gestanden.

00:20:15: aber das wäre in dem Sinne ja nichts gewesen indem Menschen sich wohl fühlen oder dass was Berlin aus macht.

00:20:22: also natürlich hätt es auch weiterhin Wohnungen gegeben und Arbeitsstätten.

00:20:27: aber das hätte mit Berlin wie wird es kennen überhaupt nix mehr zu tun gehabt.

00:20:31: jetzt

00:20:31: Haben wir da noch diesen Schwerbelastungskörper stehen, so als Mahnmal?

00:20:36: Der an diesem Wahnsinn erinnert und zeigt wie ernst es dem eigentlich war.

00:20:40: Warum steht der da heute noch?

00:20:43: Naja, es wäre sicherlich sehr schwierig gewesen oder ich glaube das ist quasi kaum möglich ihn auch zu beseitigen.

00:20:48: also weil Sprengen... kann man den nicht.

00:20:50: Der steht

00:20:51: in einem Wohngebiet?

00:20:51: Ja,

00:20:52: also nicht ohne unglaublich viel der Umgebung in Mitleidenschaft zu ziehen.

00:20:56: Das gilt ja für verschiedene Bunker, das gilt für dieses Gebäude ganz besonders.

00:21:00: Tatsächlich ist es so dass dieser Schwerbelastungskörper mit dem Untergang des Nationalsozialismus seine Funktionen wenn man so sagen will oder seine Testfunktion nicht verlor sondern er wurde auch noch weiter genutzt

00:21:11: für Bodenmessung von der DGBO, also der Deutschen Gesellschaft für Bodenmechanik.

00:21:17: Die haben dann noch weitere Experimente durchgeführt.

00:21:20: Das muss man vielleicht jetzt nochmal erwähnen.

00:21:21: Also wenn man diesen massiven Zylinder sieht Der hat so einen schmäleren Sockelteil und dieser Sockelteil ist begehbar Und da waren dann immer auch Testräume drin wo Messungen durchgeführten konnten und das ist tatsächlich bis verschiedenste Art.

00:21:42: Genau, weil es ja letztendlich nicht nur darum geht dass diese Bodenmessungen für irgendwelche Größen wahnsinnigen Projekte durchgeführt werden müssen sondern es gibt auch ganz sinnvolle Anwendungsformen.

00:21:54: also wenn man sich jetzt zum Beispiel vorstellt das eine Autobahnbrücke gebaut werden soll die ein großes Tal überbrücken soll.

00:22:01: da muss ja vorher auch getestet werden ob der Boden solche Belastung aushält und für solche und ähnliche Anwendungen konnte der Schwerbelastung Körper dann auch noch weiter genutzt werden.

00:22:12: Die Wissenschaftler sind dann, neunzehn, dreieinachtzig endgültig ausgezogen.

00:22:17: Dann stand das erst mal leer und verviel.

00:22:20: Das ist ja auch so ein Grundstück da wucherten die Pflanzen drüber.

00:22:24: Dann wurde das neunzenfünfundneunzig zu einem Denkmal erklärt eben als Mahnmal für nationalsozialistische Setteplanung.

00:22:33: Dann entstand bis zwei tausendneuen dort einen Informationsort den man heute besuchen kann.

00:22:40: Da gibt es zum einen so eine Treppenturm, die man rauflaufen kann um mal von oben auf diesen Zylinder raufzuschauen.

00:22:48: Man kann auch auf das Gelände – das ist nicht immer zugänglich!

00:22:52: Dann muss man sich einmal auf der Webseite die Öffnungszeiten angucken.

00:22:55: Auf jeden Fall können wir euch verraten dass es auch regelmäßige Führungen gibt wie man mitmachen kann.

00:23:00: Die sind ohne Anmeldung und kostenlos und finden in den Sommermonaten statt also vom ersten April bis einem dreißigsten Oktober im Sommer halb Jahr jeden ersten Sonntag im Monat um fünfzehn Uhr.

00:23:13: Schaut immer noch mal auf die Webseite, manchmal fällt da was aus aus irgendwelchen Gründen.

00:23:17: aber da könnt ihr euch wenn ihr jetzt Lust bekommen habt euch das Ding mal wirklich aus nächster Nähe selber anzuschauen.

00:23:23: Da könnt ihr dann nochmal mit Infos versorgen.

00:23:27: Okay Marcel, wir sind jetzt am Ende dieser Folge angekommen.

00:23:30: Was ist denn für dich eigentlich das Überraschendste an allem?

00:23:35: Ja

00:23:35: ich denke das überraschende und bewegendste An dieser Folge ist die Erkenntnis dass diese Schwerbelastungskörper nicht nur ein Relikt ist.

00:23:42: Dass den Größenwahn von Hitler und einigen führenden Nationalsozialisten zeigt sondern dass es eben symbolisiert wie realistisch diese Planungen gewesen sind eben nicht nur einen paar überdimensionierte Gebäude zu errichten Berlin wirklich konsequent zu zerstören.

00:23:59: Also, dass das Ergebnis gewesen wäre wenn nicht der Krieg Berlin zerstört hätte sondern man stelle sich das nur kurz mal vor die erschreckende Idee die Nationalsozialisten hätten sich behauptet dann hätten sie berlin auch zerstührt.

00:24:13: ja und nicht nur punktuell sondern wirklich flächendeckend.

00:24:16: eigentlich die haben es richtig ernst gemeint

00:24:18: genau eben nicht nur einige ideologen sondern eben ganz viele experten technokraten leute die eben dabei daran mitgearbeitet

00:24:27: haben.

00:24:27: Ja, auf jeden Fall ein Ort der zum Nachdenken anregt!

00:24:31: Wenn euch die heutige Folge gefallen hat dann freuen wir uns sehr wenn ihr uns eine gute Bewertung da lasst und den Podcast weiter empfehlt.

00:24:39: Schickt uns auch gerne Vorschläge für neue Orte oder Fragen.

00:24:43: Wenn euch etwas aufgefallen ist das könnt ihr alles an halload-hierundort.de schicken.

00:24:49: Wir freuen uns wenn ihr auch das nächste mal wieder einschaltet.

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